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"...dass die „Boygroup“ eine Chefin bekommt."


Ich möchte Sie darüber informieren, dass ich mich entschieden habe, in dieser Legislaturperiode nicht erneut als Fraktionsvorsitzender zu kandidieren.

In einem Gespräch Ende Juni diesen Jahres habe ich dies unserem Landesvorsitzenden Klaus Lederer und unserem Spitzenkandidaten Harald Wolf mitgeteilt.
Lassen Sie mich einige Worte zur Begründung sagen:
Ich habe mit 33 Jahren eine Menge erreicht, war Landes- und Fraktionsvorsitzender einer Regierungspartei in der Hauptstadt, meiner Heimatstadt Berlin, und ich bin dankbar dafür, dass ich an so verantwortlicher Stelle über die Politik für Berlin mitentscheiden durfte. Aber Karriere habe ich nie als Automatismus verstanden, bei der man eine Stufe erklimmt und verteidigt und nur die nächste Stufe im Blick hat. Ich kann auch anders.
Ich stehe jetzt seit fast 5 Jahren in der ersten Reihe unserer Partei und habe mich entschieden, unsere Politik künftig an anderer, nicht mehr an vorderster Stelle zu unterstützen. Das gibt mir Gelegenheit, in den kommenden Jahren meine persönlichen Prioritäten etwas anders zu setzen. Da ich zwar „lebensfroh“ bin, wie der Tagesspiegel am Sonntag schrieb, keinesfalls aber, wie er auch schrieb, ein „Workaholic“, möchte ich künftig meiner Familie, meinen Freunden mehr Zeit widmen. Dafür blieb in der Vergangenheit doch sehr wenig Raum.
Das Gute an der Linkspartei.PDS in Berlin ist, dass das, was andere Parteien nur durch formale Regeln wie Amtszeitbegrenzungen und Rotationsprinzipien, oder aber durch erzwungene Rücktritte oder Abwahlen organisiert bekommen, bei uns auch so geht.
Dass ich nicht an dem Amt klebe und mir auch andere Dinge vorstellen kann, ist ja schon im Herbst vergangenen Jahres deutlich geworden, als ich mich um ein Direktmandat für den Bundestag im Wahlkreis Pankow, Prenzl.Berg, Weißensee beworben habe.
Und ich habe im letzten Dezember gern auf eine erneute Kandidatur als Landesvorsitzender verzichtet, weil ich wusste, dass mit Klaus Lederer ein ausgezeichneter Kandidat bereitstand.
Ebenso leicht fällt mir die Entscheidung, jetzt auf eine erneute Kandidatur als Fraktionsvorsitzender zu verzichten.
Mit Carola Bluhm gibt es eine Kandidatin, die das Amt hervorragend ausfüllen würde, da bin ich mir sicher. Sie hat mir mit ihrer Erfahrung als ehemalige Fraktionsvorsitzende in den letzten Jahren sehr geholfen und ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, bei mancher schwieriger Abstimmung im Parlament die Mehrheit der Fraktion zu sichern.
Zudem habe ich in den letzten Wochen den Eindruck gewonnen, dass Netzwerke von Frauen bei der Linkspartei, die schon seit vielen Jahren inhaltlich zusammenarbeiten, nunmehr auch auf stärkere personelle Repräsentanz pochen. Ich finde das gut. Und weil endlich auch Schluss sein sollte mit dem Gerede von Männerbünden oder –freundschaften in der Berliner Linkspartei, von den „drei Jungs“, die alles allein entscheiden, möchte ich heute einen Beitrag dafür leisten, dass die „Boygroup“ eine Chefin bekommt.

Ich würde gern im Team von Carola Bluhm mitarbeiten und werde mich daher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender bewerben.