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Manöver mit Ansage

Liebich greift zur Gurke

Mal angenommen, der PDS-Fraktionschef Stefan Liebich will das Tischtuch mit der WASG endgültig zerschneiden. Welche Waffe würde er wählen - das Florett oder den Degen?

KOMMENTAR
VON UWE RADA

Seit gestern weiß man: Nichts von beidem würde Liebich wählen, er hat sich - einmal mehr - für die Gurke entschieden und damit dafür, die von ihm selbst ernannte Gurkentruppe WASG mit den eigenen Waffen zu schlagen.

Oder wie sonst soll das durchsichtige Manöver bewertet werden, das gestern bekannt wurde: Stefan Liebich will der Berliner WASG beitreten. Bis zum 31. Dezember, so sieht es der Fusionsfahrplan der Bundes-WASG vor, sind Doppelmitgliedschaften möglich. Der Berliner Landesverband der WASG ist gegen die Fusion und spricht deshalb von einer gezielten Provokation. Ihr Vorschlag: Alle Mitgliedsgesuche seitens der PDS sollen bis zum Jahresende ruhen.

Das ist eine Kampfansage, die auf eine Kampfansage folgt. Dabei geht es der PDS gar nicht so sehr um eine tatsächlich feindliche Übernahme, sondern vielmehr darum, den Bundesvorstand der WASG gegen den fusionsfeindlichen Berliner Landesverband in Stellung zu bringen. Dessen Weigerung, PDS-Mitglieder aufzunehmen, ist immerhin die Weigerung, einen gemeinsamen PDS- und WASG-Beschluss auszuführen. Noch mehr solcher Alleingänge, und die Bundestruppe um Klaus Ernst hat genügend Munition, um die lästigen Berliner zu verjagen. Insofern ist das Manöver nicht nur durchsichtig, sondern auch geschickt.

Und die Berliner WASG? Florett? Degen? Gurken? Ach wo: Elegantes Ausweichen ist ihre Sache nicht. Sie wählt das Schwert und damit das letzte Gefecht. Das ist nicht durchsichtig, sondern hilflos.

(c) taz, die tageszeitung