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Wechseln, wenn's am schönsten ist

über die Entscheidung Liebichs, nicht mehr als Linkspartei-Chef anzutreten

JAN THOMSEN

Mit einigem Neid werden andere Berliner Politiker dieser Tage auf die Linkspartei blicken. Denn die Hauptstadt-Sozialisten gönnen sich gerade ein paar Annehmlichkeiten, die anderswo keinesfalls üblich sind: Sie haben eine Wahlerfolg zu feiern, nämlich den bei der Bundestagswahl - im Gegensatz etwa zur SPD und zur CDU. Sie haben die Frage einer Spitzenkandidatur für die kommende Abgeordnetenhauswahl längst geklärt (es soll Wirtschaftssenator Harald Wolf werden) - im Gegensatz etwa zur CDU und zu den Grünen. Sie sind an der Regierung und haben gute Chancen, es zu bleiben - im Gegensatz zur CDU, den Grünen und der FDP. Und sie haben jetzt schon auf entscheidenden Posten junge, begabte Politiker sitzen - im Gegensatz etwa zum Koalitionspartner SPD und zur eigenen Bundesebene.

Und jetzt erledigen sie voraussichtlich auch noch mit einiger Eleganz einen partiellen Personalwechsel an der Parteispitze. Stefan Liebich, ganze 32 Jahre alt, räumt den Posten als Linkspartei-Vorsitzender, bleibt aber Fraktionschef. Wenn die Basis mitspielt, wogegen derzeit nichts spricht, wird Klaus Lederer sein Nachfolger, der sogar noch ein Jahr jünger ist.

Das ist noch keine Qualifikation an sich. Aber dass in einer Partei, in der mehr als zwei Drittel der Mitglieder längst im Rentenalter sind, die ganz Jungen Chancen auf die ganz hohen Ämter haben, ist schon ein Phänomen. Natürlich ist es auch problematisch, wenn sich Parteikarrieren direkt ans Examen anschließen, weil genau auf diese Weise interne Abhängigkeiten entstehen können, die man Filz nennt. Aber bisher hat es die Linkspartei geschafft, sich in einer offenen Debattenkultur den eigenen Widersprüchen zu stellen, wenn auch nicht immer unverkrampft. Und ihre Jungfunktionäre, wie jetzt Liebich, zeigen, dass sie nicht an Posten kleben, weil es Posten sind.

(c) Berliner Zeitung