Menü X

Schlägt Liebich heute in Pankow den SPD-Favoriten Thierse?

Im Zwiegespräch in der "BZ": Berlins PDS-Chef Stefan Liebich (32) und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD)

Herr Liebich, warum wohnen Sie nicht im ihrem Wahlkreis Pankow? Stefan Liebich (PDS-Linkspartei): Seit ich bei meinen Eltern ausgezogen bin, hatte ich zweimal eine Wohnung in Prenzlauer Berg. Jetzt wohne ich in Friedrichshain. Friedrichshain und Prenzlauer Berg sind sich zum Teil sehr ähnlich.

Finden Sie das auch, Herr Thierse?

Wolfgang Thierse (SPD): Nein. Ich halte es für besser, wenn der Abgeordnete bei den Menschen wohnt, die er im Bundestag vertritt. Er kennt sich besser aus, weiß um die Veränderungen. Ich wohne jetzt seit 30 Jahren am Kollwitzplatz.

Stichwort Diesel-Fahrverbot. Im Bezirk fahren jetzt deutlich mehr Lkw als vor der Mautpflicht.

Liebich: Das ist leider wahr. Da muß die Bundesregierung nachbessern.

Thierse: In Berlin ist es lange nicht so dramatisch wie in anderen Städten. Sonst stimme ich mit Ihnen überein.

Was wollen Sie für den Bezirk erreichen?

Thierse: Ich will mich heftig dafür einsetzen, daß in Deutschland deutlich mehr in Forschung, Bildung und Kinder investiert wird. Das ist wichtig, auch für den Campus Buch hier im Bezirk. Das ist auch wichtig für zukunftssichere Arbeitsplätze.

Liebich: Ich will längeres gemeinsames Lernen von Kindern an einer Schule unterstützen - bis zur 8. oder 10. Klasse.

Sie wollen die Einheitsschule, Herr Liebich?

Liebich: Sie nennen das so. Ich finde es besser, Schüler nicht schon nach der 4. oder 6. Klasse zu trennen.

Thierse: Dazu brauchen Sie aber nicht in den Bundestag zu gehen, das ist Ländersache.

Liebich: Trotzdem will ich mich dafür einsetzen. Auch der Regierende Bürgermeister will, daß der Bund in der Bildungspolitik mehr Kompetenzen bekommt. Ich halte es nicht für klug, daß jedes Bundesland sein eigenes Bildungssystem hat.

Wie gut kennen Sie sich?

Thierse: So gut kennen wir uns nicht.

Liebich: Wir werden uns sicher im Bundestag noch näher kennenlernen, wenn wir uns gemeinsam für den Wahlkreis einsetzen.

Thierse: Ich habe immer etwas dagegen, wenn Leute aus ihrer Aufgabe abhauen - ob Gysi als Wirtschaftssenator, Lafontaine als Finanzminister oder jetzt Sie als Berliner PDS-Fraktionschef.

Liebich: Ich werde auch als Bundestagsabgeordneter Landesvorsitzender der PDS-Linkspartei bleiben.

(c) BZ