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Rückzug eines Brückenbauers

Seit Jahren streitet die Linke außerdem darüber, ob die Partei Regierungsbeteiligungen anstreben oder sich stärker als Partner von sozialen Bewegungen auf der Straße verstehen sollte.  Die Kompromisse, die das Mitregieren im Bund erfordern würde, werden von einigen in der Partei als Verrat an den eigenen Idealen diskreditiert. Vor allem die Außenpolitik gilt als schwieriges Themenfeld. Vor kurzem kündigte ausgerechnet der Außenpolitiker Stefan Liebich seinen Rückzug aus dem Bundestag an, der in den vergangenen Jahren versucht hatte, den antiwestlichen und antiimperialistischen Tönen einiger Fraktionskollegen etwas entgegen zu setzen.

In den Reihen von SPD und Grünen beobachtet man deshalb Liebichs geplanten Abschied aus dem Bundestag mit gemischten Gefühlen - galt er doch als Brückenbauer, auf den die Befürworter eines Linksbündnisses bei SPD und Grünen setzten. Damit dieses im Bund überhaupt denkbar werden könne, brauche es aber in den Reihen der Linkspartei jemanden, der dies unbedingt wolle und auch gegen innerparteiliche Widerstände durchsetze, heißt es etwa bei den Grünen. Sowohl Fraktionschef Bartsch als auch seinem Vorgänger Gregor Gysi fehle aber dieser unbedingte Willen zum Regieren.

Aus: „Wie viel Ramelow steckt in der Linkspartei?“, Tagesspiegel, 4. März 2020