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Battle mit dem Botschafter

Botschafter Grenell am 8. Mai 2019 am sowjetischen Ehrenmal im Berliner Tiergarten

Auch Stefan Liebich, Obmann der Linken im Auswärtigen Ausschuss, reagierte auf Grenell. Er twitterte eine frühere Äußerung Trumps „Die EU behandelt uns schlechter als China“ und kommentierte Grenells Äußerung mit den Worten „Dafür sind Freunde da.“ Dann zitierte er die Liedzeilen des gleichnamigen Songs der US-Sängerin Dionne Warwick. „Für gute und schlechte Zeiten. Ich werde für immer an deiner Seite sein. Dafür sind Freunde da.“

Grenell konterte: „Ihr müsst eure Entscheidungen treffen, aber es ist ziemlich vermessen zu sagen, dass wir weiterhin Informationen auf dem gleichen Niveau bereitstellen, nachdem ihr eure Wahl getroffen habt.“ Liebich antwortete: „Über Twitter? Wir sitzen mit Kongressmitgliedern zusammen und sprechen darüber. Aber solche Tweets sind nicht hilfreich.“

Grenell erwiderte, Diplomatie sei für die Menschen. Der US-Botschafter warf Liebich vor, die Debatte über Huawei und 5G in den Hinterzimmern kontrollieren zu wollen. Dies sei „sehr sumpfig“, schrieb Grenell. „Die Entscheidungen wirken sich auf jeden Einzelnen aus.“ Liebich twitterte daraufhin „Transatlantische Beziehungen im Jahr 2020“ und warf Grenell vor, ihn beleidigt zu haben. „Ich bleibe trotzdem dabei: Dialog statt Ultimaten!“

Der US-Botschafter antwortete: „Niemand bedroht euch. Ich könnte sagen, ihr droht den USA, dass wir wie gewohnt weitermachen müssen, wenn ihr einen gefährlichen Fehler macht.“ Damit spielt Grenell auf die Möglichkeit an, dass Huawei nicht vom Ausbau europäischer 5G-Netze ausgeschlossen wird.

Aus: „Unreife Ansichten“, Handelsblatt, 17. Februar 2020