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Felix S. Schulz

Gegen das Vergessen

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee Auschwitz-Birkenau. In diesem Lager zeigte sich ihnen ein extrem grausames Bild. Die Deutschen hatten ein bis dahin unvorstellbares Leid über die Welt gebracht. Heute, 75 Jahre später, wissen laut aktueller Studien 41 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland nicht, dass Auschwitz ein Vernichtungslager war, fünf Prozent von ihnen haben noch nie von der Shoah gehört.

Eine Nelke für Muter und Tochter Becker

Es gibt viele Arten, an die Taten zu erinnern – und an jene, die ihnen zum Opfer fielen. Eine davon sind die sogenannten Stolpersteine. Vor einigen Jahren hat Stefan Liebich die Patenschaft für drei solcher Stolpersteine in Prenzlauer Berg übernommen und die er seither pflegt. Als er im letzten Jahr auf Twitter darüber berichtete, schrieb ihm ein Angehöriger der Familie Becker aus den USA und schickte Fotos. Erika und Helene Becker lebten zuletzt in der Stargarder Straße 6 gegenüber der Gethsemanekirche. Als Stefan ihre Gedenksteine reinigen wollte, war ihm jemand zuvorgekommen. Er hat dann eine Nelke dazugelegt. Theresa Zlotnicki wohnte in der Fehrbelliner Straße 3, bis sie deportiert und im KZ Treblinka ermordet wurde. Auch vier ihrer Kinder und drei ihrer Enkelkinder wurden deportiert und ermordet. Nur eine Tochter überlebte.

Hinter jedem dieser Steine stehen zerstörte Familien, steht ein unfassbarer Terror. Umso wichtiger ist es, diese Erinnerung auch heute noch hochzuhalten, das Leben zu feiern. Das geschah dann am Abend, beim alljährlichen Gedenken vor dem ehemaligen jüdischen Waisenhaus in Pankow. Die vom VVN-BdA und anderen engagierten Bürgerinnen und Bürgern ausgerichtete Lichterkette zeigt: Es gibt noch viele, die sich gegen das Vergessen stellen.