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Hartmut Seefeld

Blick nach Osten

Debatte über das schwierige Verhältnis zwischen Deutschland und Russland

Großes Podium, spannende Gäste

Der Veranstaltungssaal der Rosa-Luxemburg-Stiftung an ihrem Sitz unweit des Berliner Ostbahnhofs war gut gefüllt, wie auch das Podium. Neun Damen und Herren fanden dort Platz, um unter der Moderation von Johanna Bussemer über die politische Rolle der Zivilgesellschaft im deutsch-russischen Verhältnis zu debattieren. Es war eine stark und illuster besetzte Runde. Neben Stefan Liebich waren unter anderen dabei der oppositionelle Duma-Abgeordnete Oleg Shein von der eher sozialdemokratisch orientierten Partei Gerechtes Russland, die einflussreiche Politologin und Historikerin Veronika Krasheninnikova, die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Jelena Hoffmann, die sich heute in der Stiftung West-Östliche Begegnungen engagiert oder auch der Chef der unabhängigen russischen Gewerkschaft Konföderation der Arbeit, Boris Krawtschenko.

Die Leiterin des Moskauer RLS-Büros Kerstin Kaiser

Stefan stellte früh in der Debatte klar, dass Kategorien wie „russophob“ bzw. „russlandfeindlich“ oder eben auch das verächtlich gemeinte „Russlandversteher“ völlig falsche Kategorien seien. Sagen sie doch überhaupt nichts über die Menschen in den beiden Ländern und ihre Beziehungen aus.

Veronika Krasheninnikova hat für die nicht zuletzt auch vor den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs verstörend wirkenden starken Affinitäten russischer Medien für Rechtspopulisten in Westeuropa eine für hiesige Linke eher wenig vorteilhafte Herleitung. Weil sehr viele Menschen in Russland sich stark an Europa orientieren, sich natürlich auch als Teil Europas empfinden, dort wiederum die stärksten positiven Resonanzen in den EU-Russland-Beziehungen von Rechtspopulisten erfolgen würden, spielten diese in den russischen Medien bislang eine überdurchschnittliche Rolle. Und nicht nur dort. Das soll sich endlich ändern. Die junge russische Journalistin Marinè Woskanjan sieht eine Ursache aber auch in Überschneidungen der Rechten im Westen und Positionen des Kremls, etwa im Verhältnis zu Homosexuellen oder zu Ausgestaltung der Ehe.

Es gab eine sehr vielschichtige Diskussion, in der nicht nur der Einführung einer Visafreiheit zur Verbesserungen der Beziehungen das Wort geredet wurde, sondern auch der besseren Förderung von Städtepartnerschaften, die oft durch persönliches Engagement Einzelner mit Leben erfüllt werden. Für die knapp 100 Gäste, die auch ihre Fragen loswerden konnten, war es eine ziemlich kurzweilige und informative Veranstaltung.