Menü X
Stefan Liebich

(Fast) Vergessene Konflikte: Mosambik

27 Jahre „Frieden“: Mosambik kommt nicht zur Ruhe

1992 wurde der Bürgerkrieg in Mosambik mit einem Friedensvertrag in Rom theoretisch das erste Mal beendet. Theoretisch. Denn praktisch stehen sich seit spätestens 1994 die Kräfte der oppositionellen RENAMO („Nationaler Widerstand Mosambiks“) und der regierenden FRELIMO („Front für die Befreiung Mosambiks“) wieder gegenüber, es sind dieselben Kräfte, die sich schon im vorhergehenden Bürgerkrieg von 1977-1992 bekämpft hatten. Ein echter Frieden trat nie ein, mehrere Hundert Kämpfer starben seit 1994 bei bewaffneten Auseinandersetzungen auf beiden Seiten. 2014 folgten ein weiteres Waffenstillstandsabkommen - und erneute Auseinandersetzungen. 

Ein neuer Friedensvertrag verspricht Ruhe

Anfang August gab es dann einen erneuten Versuch, Mosambik Frieden zu bringen und die Waffen auf beiden Seiten schweigen zu lassen. Bei einem hochkarätig besetzten Treffen, an dem unter anderem der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa, Ruandas Präsident Paul Kagame und die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Federica Mogherini, teilnahmen, unterzeichneten die Führer der oppositionellen RENAMO und der regiereden FRELIMO ein Friedensabkommen, das von den Anwesenden als „historisch“ bezeichnet wurde. Es dauerte allerdings keine Woche, bis sich ein weiterer Sprecher der RENAMO zu Wort meldete und das Abkommen anzweifelte. General Mariano Nhongo, Chef des bewaffneten Arms der RENAMO, sagte, dass die RENAMO weder das Abkommen anerkennen werde, noch die für Oktober geplanten Wahlen unterstützen würde. Jeder, der Wahlkampf mache, müsse damit rechnen, von der RENAMO getötet zu werden, so Nhongo. Anders als Ossufo Momade, im Januar gewählter Vorsitzender der RENAMO, der bei der Unterzeichnung des Friedensvertrags noch überzeugt sagte: „Wir verabschieden uns hiermit endgültig von der Gewalt und vom Krieg.“ Er bat um etwas Geduld, der Vertrag müsse innerhalb der RENAMO noch bekannt gegeben werden. 

Ob die geplanten Wahlen stattfinden können ist unklar

Doch die Zeit läuft. Am 15. Oktober sollen in Mosambik Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattfinden, der Wahlkampfauftakt ist für Anfang September geplant. Der Streit innerhalb der RENAMO sorgt für Unsicherheit und Angst.

 Wer tatsächlich die Mehrheit hinter sich weiß scheint unklar. Sicher ist jedoch, dass inzwischen nicht nur die beiden langjährigen Feinde im Land für Schrecken sorgen, sondern sich eine dritte Kraft in Mosambik zu formieren scheint. Eine Welle der Gewalt hat seit Oktober 2017 in der Provinz Cabo Delgado weit mehr als 300 Todesopfer gefordert. Es wird geraubt, gefoltert, geköpft und vergewaltigt. Obwohl sich der „Islamische Staat“ (IS) zu einigen Anschlägen bekannt hat, bleiben Motive und Strukturen der verantwortlichen Gruppierung unklar. Mosambikanische Sicherheitskräfte sind gerade in 2018 mit Willkür gegen die angeblichen Angreifer vorgegangen, inhaftierten wahllos Zivilisten und mussten die Mehrheit wieder freilassen, weil keine Beweise gegen sie vorlagen. Auffällig dabei ist, dass es sich vor allem um die weit abgelegenen Provinzen handelt, in denen die Konflikte entbrennen: ohne große Infrastruktur, ohne Zugang zu Sozialleistungen und mit enormen Armutsraten und großem Misstrauen gegenüber der politischen Elite und dem Staat. 

Der Klimawandel bedroht auch Mosambik

Und als ob dies alles nicht genug sei, bedroht auch der Klimawandel Mosambik. Nach Jahren der Dürre haben in diesem Jahr bereits zwei verheerende Zyklone das Land heimgesucht - es werden nicht die letzten Naturkatastrophen bleiben, da sind sich Wetterexperten sicher. Bei der Hilfe zur Bewältigung der Folgen der Zyklone helfen auch deutsche Organisationen, unter anderem Help e.V. Nur noch ein Zehntel Mosambiks ist von seinem ursprünglichen Wald bedeckt, vor etwas mehr als 50 Jahren waren dreiviertel des Landes. Der Wald ist Rodungen zum Opfer gefallen, der Boden und das Ökosystem sind nachhaltig zerstört. Die Regierung will nun Umsiedlungen vornehmen, die Bevölkerung soll aus den fruchtbaren Flussgebieten wegziehen, in vor Fluten sicherere Gebiete, die dann aber weniger Ernteertrag bringen. 

Was tun?

Es ist dringend an der Zeit, dass sich die Politik der Nöte der Bevölkerung annimmt. Dialoge mit lokalen Gemeinden, der Aufbau von medizinischer Hilfe, auch in abgelegenen Regionen, der Abbau von Korruption und die Wiederaufforstung des Landes müssen im Mittelpunkt stehen. Militärische Unterstützung, wie die Briten sie der mosambikanischen Regierung angeboten haben, sind dabei nicht hilfreich. Das haben schon Einsätze wie der in Mali hinreichend bewiesen. Deutschland muss sich an der Aussöhnung des Landes beteiligen, die Entwaffnung der Milizen unterstützen und dabei darauf Wert legen, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinanderdriftet. Nur so kann langfristig Frieden entstehen.