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Stefan Liebich

Ein Land in Angst

Gespräch mit der Bürgerrechtsaktivistin Amaya Coppens Zamora aus Nikaragua

Auch, wenn in Deutschland nicht mehr viel darüber berichtet wird, ist die Lage in Nicaragua noch immer schlimm, wie mir Amaya Coppens Zamora heute erzählt hat. 2018 brannten Wälder nieder, die Regierung tat nichts dagegen und verkündete ein Kürzungsprogramm für Renten. Infolgedessen fanden Proteste statt, die von Polizei, Militärs und Paramilitärs gewaltsam niedergeschlagen wurden. Hunderte Menschen starben, tausende wurden verletzt. Die bewaffneten Paramilitärs, teils Ex-Häftlinge, teils ökonomisch schlecht gestellte Bevölkerungsgruppen, werden eingesetzt, um Proteste zu unterbinden, die nunmehr auch staatlich genehmigungspflichtig oder verboten sind.

Gesprächspartnerin Amaya Coppens Zamora

Amaya verbrachte für die Teilnahme an einem Protest neun Monate in Haft. Ihre Universität darf sie nicht mehr betreten, sie und andere Protestierende werden an der Tür abgewiesen - auch in öffentlichen Krankenhäusern, ungeachtet der Krankheit. Seit letztem Jahr sind Zehntausende aus Nicaragua geflüchtet, Angst macht sich breit. Vor einigen Jahrzehnten war Präsident Ortega in der DDR sehr beliebt. Als ich klein war, haben wir Geld für Nicaragua gesammelt. Die Situation heute ist eine komplett andere, nur der Präsident ist leider geblieben.