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Stefan Liebich

Sozialklausel für Deutsche Schulen

Brasilien (IV)

Offene Worte an die Wirtschaft

Nun also São Paulo. Es ist eine gewaltige Metropole, 12 Millionen Menschen wohnen in der Stadt, 20 Millionen sind es, wenn das unmittelbare Umland mit einbezogen wird. Ihre Ausstrahlung ist eine ganz andere als wir sie in Salvador oder auch in Rio de Janeiro erlebt haben.

Guter Termin bei Wissenschaftslobyisten

Unser erster Besuch galt der Vertretung der Wirtschaft in Brasilien. Man ist dort sehr daran interessiert, ein freundliches Bild von Brasilien zu zeichnen um das Investitionsklima deutscher Firmen nicht zu beeinträchtigen. Natürlich wäre es falsch, über ein Land wie Brasilien den Daumen zu senken, weil dort nun ein Mann wie Bolsonaro Präsident geworden ist. Die deutsche Wirtschaft sollte sich aber schon fragen, wie weit sie seine Nähe suchen sollte. In der Gesprächsrunde habe ich deshalb noch einmal an einen Tweet der Deutschen Bank vor den brasilianischen Wahlen erinnert, in dem gesagt wurde, dass Bolsonaro der Kandidat der Märkte sei und so der Eindruck erweckt wurde, als würde man sich an dessen Seite stellen. Naturgemäß reagierte man wenig begeistert auf diesen Rückblick, aber die Botschaft war mir sehr wichtig.

Die duale Ausbildung läuft genial

Das Deutsche Haus für Wissenschaft und Innovation war dann unsere zweite Station. Die Wissenschaftslandschaft hat es derzeit sehr schwer in diesem Land, die Regierung behindert sie durch Kürzungen zunehmend. Sozialwissenschaften sind für den Präsidenten ohnehin nur ein Hort von Kommunisten und Sozialisten. Besser steht es um die Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und Brasilien im Wissenschaftsbereich. Eine tolle Sache ist zum Beispiel die Kooperation des Instituts der für Lateinamerikastudien an der FU Berlin und dem Büro des Merian Centers in São Paulo. Man stört sich da auch nicht an den politischen Vorgaben.

Schulgeplauder

Auch hier in São Paulo haben wir wieder eine Deutsche Schule besucht. Die Crux besteht darin, dass diese schöne Schule mit ihrer fantastischen Ausstattung und tollen Lehrern wie ihre Pendents fast überall in der Welt, als Privatschule konzipiert sind. Es müssen Schulgebühren bezahlt werden, was eine eher homogene statt heterogene Zusammensetzung der Schülerschaft befördert. Kinder mit armen Eltern bleiben in der Regel außen vor. Ein Lichtblick ist das duale Programm für die Ausbildung von Berufsschülern an dieser Schule. Hier wird explizit darauf geachtet, dass auch Kinder ohne Geld eine Ausbildung machen können und was durch ein Umverteilungsprogramm finanziert wird. In Deutschland wird derzeit das Gesetz zu den Auslandsschulen novelliert, ich werde mich im Bundestag dafür einsetzen, dass es darin endlich auch eine Sozialklausel geben wird. Wenn deutsches Steuergeld eingesetzt wird, halte ich es für selbstverständlich, dass Kindern aller sozialer Gruppen der Zugang ermöglicht wird.