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Stefan Liebich

Wandeln zwischen den Welten

Brasilienreise (III)

Besetzergespräche

Bevor wir in die größte Stadt Lateinamerikas, Sao Paulo, weiterreisten, wurde ich in Salvador auf ganz direkte Art mit der gewaltigen Diskrepanz zwischen arm und reich konfrontiert. Während ich bei meinem Jetlag bedingten morgendlichen Spaziergang zum Hafen von Salvador eine Traumvilla nach der anderen passierte, war der Tag geprägt vom Aufenthalt in einer der riesigen Favelas. Auf meine Initiative hin besuchten wir ein besetztes Haus, in dem Familien, die sich sonst keine Wohnstatt mehr leisten können, Unterkunft finden. Es ist hier kein ungewöhnlicher Weg, leerstehende Häuser ihrer eigentlichen Funktion zuzuführen, der Besuch war aber für die konservativen Mitglieder unserer Delegation sicher eine Herausforderung. Es waren spannende Gespräche mit den Bewohnern.

Favela in Salvador

Sehr interessant war auch unser Schulbesuch in einer Favela. Es ist sicher eine Vorzeigeeinrichtung, neben dem normalen Unterricht wird hier auch musische Bildung ermöglicht, es gibt sogar ein eigenes Musikstudio. Die Schülerinnen und Schüler machen auf mich einen sehr glücklichen Eindruck, hier lernen zu können.

Fröhliche Kinder in einer bemerkenswerten Schule

Allerdings werden die Kapazitäten der Schule nicht mal ansatzweise ausgenutzt. Mangelnde Unterstützung des Staates als ein Ausdruck der neuen Politik der Regierung von Präsident Bolsonaro und der Rückzug von großen Konzernen wie Petrobbras die von Wirtschaftskrise und Korruptionsskandalen  erschüttert werden, lassen den Geldstrom versiegen. Meine Schlussfolgerung: Ohne Programme der Umverteilung, ohne einen starken Staat ist ein ausufernder Kapitalismus nicht zu zähmen.