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Irgendwas dazwischen

Die Europäische Union und die Weltbühne

Wenig poetisch, dafür spannend verlief die Europadebatte in der Kulturbrauerei.

Der Ellenbogen landete sanft in den Rippen des betagten Sitznachbarn: „Dat ist der von der Linken“, flüsterte die Dame mit graumelierter Frisur ihrem Begleiter zu und ruckelte ihren Stuhl in Reihe drei noch einmal zurecht. Gemeinsam mit 50 weiteren Gästen verfolgten sie am Dienstagabend im Haus der Poesie in der Kulturbrauerei eine Podiumsdiskussion zum Thema „Die EU und die Machtfrage. Die Welt wartet nicht auf Europa.“ Gastgeber war die Europäische Akademie Berlin. Gemeinsam mit Stefan Liebich debattierten der SPD-Außenpolitiker Nils Schmid, der US-amerikanische Journalist Brent Goff und die Verteidigungsexpertin vom Thinktank Stiftung Wissenschaft und Politik Claudia Major über den Einfluss der Europäischen Union auf die internationale Politik. Die gesamte Debatte wird am Freitag (13. September) ab 18:05 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur im Rahmen der Sendereihe "Wortwechsel" ausgestrahlt.

Schon schnell zeigte sich, dass die Runde sehr heterogen zusammengesetzt war. Während Stefan Liebich die Defizite der EU benannte – ist auf der einen Seite kein Staat, auf der anderen aber auch mehr, als ein loser Staatenbund, also irgendetwas dazwischen – betonte sein SPD-Pendant die Stärken der EU (Geschlossenheit der 27 Staaten beim Brexit, beim Iranabkommen, bei den Russlandsanktionen). Auch der US-Amerikaner Brent Goff lobt die EU für ihr Selbstbewusstsein, welches u.a. im Festhalten am Iranabkommen im offenen Gegensatz zur einseitigen Kündigung durch die USA zum Ausdruck käme. Nicht zuletzt durch die Beiträge von Claudia Major verschob sich die Diskussion verstärkt auf die militärische Ebene. Für die Expertin von der Stiftung ist Sicherheitspolitik gleichzusetzen mit Aufrüstungspolitik, eine Position, die den heftigen Widerspruch bei Stefan Liebich erzeugte.

Eine durchaus lebhafte Debatte, die nach offiziellem Ende von dem einen oder anderen Gast bei einem Glas Wein gern weitergeführt wurde. Mittendrin dabei das Pärchen aus Reihe drei.