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Hartmut Seefeld

Nahe beim Menschen

Pilotprojekt mit Stefan Liebich an der Urania Berlin

Kontrapositionen in der Urania

Der Mann in der hinteren Reihe hatte es geschafft. Die Blicke ausnahmslos aller Anwesenden im Raum waren auf ihn gerichtet. Ziemlich unvermittelt, nach nur kurzem philosophischem Exkurs, schmetterte er den beiden Vertretern auf dem Podium seine zentrale Frage entgegen: „Was ist der kategorische Imperativ in der europäischen Rüstungspolitik?“

Es ist Montagabend in der Berliner Urania und gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung  wird in einem Saal im dritten Stock des Hauses in der City-West ein neues Debattenformat ausprobiert. Man wolle Außenpolitik nahe bei den Menschen diskutieren, wurde gleich zum Auftakt erklärt. Statt eines einzelnen Referenten, wie bisher, sollen nun zwei Probanden zu einem bestimmten Thema konträr miteinander streiten.

Kurzweilige Debatte mit Jan Puglierin

Die Pilotdebatte wurde über die Frage „Müssen wir mehr in die europäische Verteidigung investieren?“ geführt. Für die Pro-Position saß Jana Puglierin, Programmleiterin im Alfred von Oppenheim-Zentrum für europäische Zukunftsfragen, auf dem Podium, fürs Kontra sorgte Stefan Liebich. Es entspann sich ein durchaus kurzweiliges und zugleich auch informatives Streitgespräch, gut moderiert von Cornelius Adebahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Stefan kritisierte Außenminister Heiko Maas dafür, dass er sich so bedingungslos hinter das verabredete Ziel in der Nato stellte, zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in die Rüstung zu investieren. Er forderte stattdessen: „Wir brauchen nicht noch mehr Geld für eine funktionierende Verteidigungsarmee, sondern einen effektiven Einsatz der vorhandenen Mittel.“ Für diese und weitere Kontra-Argumente hatte er bei der abschließenden Abstimmung unter dem Urania-Publikum, das zwischenzeitlich kräftig mitdebattieren konnte, die mehrheitliche Zustimmung bekommen.