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Feind meines Feindes ist nicht mein Freund

Aus der Debatte zum ARD-Film „Saat des Terrors

Stefan Liebich: „Bei den beiden größten islamistischen Terrororganisationen, mit denen wir es zu tun haben – al-Quaida und der Islamische Staat – müssen wir uns die Frage stellen, wo sie eigentlich hergekommen sind. Wie war das damals, als der Westen die Mudschaheddin in Afghanistan unterstützt hat, um gegen die UdSSR vorzugehen. Da hat man sie ausgebildet, da hat man sie ausgerüstet, da hat man sie stark gemacht. Da war der Kern gelegt für al-Quaida, die später die schrecklichen Terroranschläge in New York und Washington verübt haben. Oder wie war es mit dem völkerrechtswidrig begründeten und begonnenen Irakkrieg durch die Vereinigten Staaten. Sie erinnern sich noch an Colin Powell im UN-Sicherheitsrat, wo er Röhrchen hochgehalten und gesagt hat, Saddam Hussein besitzt Massenvernichtungswaffen. Dann ist ein Krieg geführt worden, bei dem eine sunnitische Minderheit um Saddam Hussein herum, die im Irak gegen eine schiitische Mehrheit regiert hat, abgelöst und entmachtet wurde. Die Eliten um Saddam Hussein herum, die Militärs, haben in den überfüllten Militärgefängnissen zusammengesessen. Dort war die Keimzelle für den Islamischen Staat. Das ist jetzt nichts, was der Bundesnachrichtendienst, der Verfassungsschutz, das BKA oder sonst wer lösen könnte. Aber das sind die großen politischen Fragen, die am Anfang stehen. Deswegen finde ich das politische Motto ‚der Feind meines Feindes ist mein Freund‘ falsch.“

Aus: "Haben wir den Terror importiert?", ARD, 20. November 2018