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Hartmut Seefeld

In guter Hoffnung

Stefan Liebich, Annalena Baerbock, Sabine Rennefanz, Kevin Kühnert (v.l.)

Die Chefin der Kulturkantine, Vera Böpple, hatte gut zu tun. Mehr als 120 Menschen drängten sich am Abend des 3. Juli in ihrer Restauration auf dem Hof einer Gewerbegenossenschaft in Prenzlauer Berg. Selbst draußen scharrten sich die Leute – und ein Staatssekretär drückte sich an der Scheibe fast die Nase platt. Stefan Liebich hatte eingeladen zu einer Debatte über die Zukunft von Rot-Rot-Grün als politische Alternative zur desolaten, faktisch regierungsunfähigen Union. Mit Annalena Baerbock, der eloquenten Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen und Kevin Kühnert, Juso-Chef und Shooting-Star der SPD hat er kompetente Gäste auf das spartanische Podium geladen.

Die Kulturkantine war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Unter der Moderation der Journalistin Sabine Rennefanz von der Berliner Zeitung entspann sich dann eine durchaus kurzweilige Debatte. Es zeigte sich schnell, dass die gegenseitigen Vorbehalte der drei Parteien beileibe nicht unüberwindbar sind, im Gegenteil, die gemeinsamen Positionen überwiegen. Ein gemeinsames Fazit an dem Abend lautete darum, dass es jetzt doch endlich an der Zeit ist für Gespräche von Rot-Rot-Grün auf „höchster Ebene“. Ein anderes: Für Kriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte müssen die Grenzen offen bleiben.

Die Sängerin Katja Petri bei ihrem augenzwinkernden Auftritt.

Doch bei aller politischen Harmonie blieben natürlich Differenzen nicht aus. Nicht frei von einer gewissen Genugtuung wurde von Baerbock und Kühnert manche fragwürdige These aus Sahra Wagenknechts Gastbeitrag für die Zeitung „Die Welt“ zitiert und Stefan Liebich erinnert noch einmal daran, dass es die DIE LINKE ist, die allein jeglicher Verschlechterung des Asylrechts eine Absage erteilt hat. Und die Sängerin Katja Petri, für die kulturelle Begleitung des Abends gewonnen, wartete mit der vieldeutigen Textzeile „I think, I wanna marry you“, auf, Augenzwinkern inklusive.

Die drei Diskutanten jedenfalls strahlten, wenn auch in unterschiedlicher Intensität, die Hoffnung aus, dass sich in Frage Rot-Rot-Grün doch endlich etwas bewegen wird.

Die Berliner Zeitung, die Süddeutsche Zeitung, das neue deutschland und Die Welt haben ausführlich berichtet.