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Die Prominenten-Quadriga

Der Wahlkreis Pankow, Prenzl. Berg, Weißensee im ND

Wolfgang Thierse, Stefan Liebich, Werner Schulz und Günter Nooke treten in Pankow an

Von Andreas Heinz

Stefan Liebich (Die Linke.PDS): 32 Jahre alt, geboren in Wismar, an seinem 18. Geburtstag in die PDS eingetreten, seit 2001 Landeschef der Partei.
Wolfgang Thierse (SPD): Der 61-jährige Kulturwissenschaftler ist verheiratet, hat zwei Kinder. Er ist seit 1998 Präsident des Bundestages.
Werner Schulz (Bündnisgrüne): 1950 in Zwickau geboren, Diplomingenieur, verheiratet, zwei Kinder. Gründungsmitglied des Neuen Forum.
Günter Nooke (CDU): 1959 in Forst (Lausitz) geboren, verheiratet, drei Kinder, Mitbegründer des Demokratischen Aufbruch.

Zum heutigen Bezirk Pankow gehören auch die ehemals selbstständigen Stadtbezirke Prenzlauer Berg und Weißensee. Zum ehemaligen Stadtbezirk gehörten die Ortsteile Blankenfelde, Buch, Französisch Buchholz, Niederschönhausen, Rosenthal, Wilhelmsruh und der
namensgebende Ortsteil Pankow. Der Großbezirk grenzt an Lichtenberg, Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Reinickendorf sowie an die Landkreise Oberhavel und
Barnim.

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In der Wahlkampfarena Pankow treten vier prominente Politiker als Direktkandidaten ihrer Parteien an. Allen voran Bundestagspräsident und Sozialdemokrat Wolfgang Thierse. Ihn fordert Stefan Liebich (Die Linke.PDS) heraus. Vervollständigt wird Pankows politische Quadriga
von den Bundestagsabgeordneten Werner Schulz (Bündnisgrüne) und Günter Nooke (CDU).
Der im Nordosten gelegene Großbezirk reicht von der Stadtgrenze bis fast zum Alexanderplatz. Ländliche Gegenden mit Neubaugebieten im Norden gibt es ebenso wie Industriegebiete und Szenekieze.Von rund 350 000 Einwohnern sind knapp 294 000 arbeitslos gemeldet, etwa 16 Prozent. Wahlberechtigt sind 224 000 Pankower. Politologen sagen ein Duell zwischen dem ältesten – dem 61-Jährigen Wolfgang Thierse – und dem jüngsten – dem 32 Jahre alten Stefan Liebich – voraus. Der gelernte Betriebswirt trat am 18. Geburtstag in die PDS ein, seit 2001 ist er Landeschef der Partei. Bei einer Niederlage fällt Liebich weich, meinen Politikexperten. Er ist zugleich Landes- und Fraktionschef der Partei. Diese Posten behält
er. Stefan Liebich möchte in den Bundestag, um sich dafür einzusetzen, dass die Spielräume für Länder und Kommunen größer werden: »Ich möchte in der Finanzpolitik mitmischen, um wieder klar zu machen,
dass Steuern zum Steuern da sind.« Seine Partei habe dafür gesorgt, dass Berlin als eines von zwei Bundesländern den Hartz-Gesetzen nicht zugestimmt habe. Berlin habe die bundesweit sozialste Regelung für das Wohnen unter Hartz-IV-Bedingungen beschlossen, um Massenumzüge zu verhindern. »Ich will im Bundestag dazu beitragen, dass Hartz IV grundsätzlich geändert wird und das Arbeitslosengeld II für Ost und West gemeinsam erhöht wird«, erklärt Stefan Liebich.
Der 61 Jahre alte Kulturwissenschaftler Thierse gilt als härtester Konkurrent Liebichs. Der amtierende Bundestagspräsident muss wohl kaum um sein Direktmandat bangen. Erstmals gewann der Sozialdemokrat vor drei Jahren das Direktmandat mit 44,7 Prozent der Erststimmen. Hinter ihm landete damals die Studentin Sandra Brunner, die für die PDS kandidierte. Die 27-Jährige Studentin bekam 26,1 Prozent, der
CDU-Mann Günter Nooke kam auf 16,8, der Bündnisgrüne Werner Schulz auf 6,4 Prozent.
Der kämpferische Bürgerrechtler Schulz stand im Wahlkampf 2002 noch an der Seite Thierses. Die Erststimme für den SPD-Mann, die Zweitstimme für den Grünen, sollte den Wählern vermittelt werden. Damit wollten sie ein drittes Direktmandat für die PDS verhindern, und damit den Einzug der Sozialisten als Fraktion in den Bundestag. Damals klappte das. Nun möchte sich Schulz, seit 15 Jahren im Bundestag, jedoch auf keine Taktik mehr einlassen. Schulz’ politischer Weg hängt von den Erststimmen ab. Der Grüne setzt aber
»auch auf die Erststimme von SPD-Wählern, denn Wolfgang Thierse wird über die Landesliste sowieso in den Bundestag gewählt«. Nach der Wahl müsse sich das Parlament seine Rechte zurückholen, um »den Weg
in eine Kanzlerdemokratie« zu verhindern, betont der
wirtschaftspolitische Sprecher der Bündnisgrünen.
Ebenso wie Werner Schulz ist der Christdemokrat Günter Nooke nicht durch einen Listenplatz abgesichert. »Ganz Berlin für Nooke« hat der Diplomphysiker denn auch auf sein Wahlkampfbanner geschrieben. Nooke möchte über »Ideen sprechen, die uns leiten«, auch über Preußen und
über den Konservativismus. »Wir haben vier gleich starke Parteien in Pankow. Man kann mit knapp 25 Prozent gewinnen«, hofft der kulturpolitische Sprecher der CDU im Bundestag. Der Union gehört der aus Forst in der Lausitz stammende Nooke erst seit 1996 an. Zuvor – von 1990 bis 1994 – war er Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90 und Mitglied des Brandenburger Landtages. Nooke gehörte 1989 zu den Mitbegründern des Demokratischen Aufbruch.