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Neues Kapitel von "America first"

Interview DW news zur Entscheidung, die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem zu verlegen

Deutsche Welle: Wir reden über den Umzug einer Botschaft, also darüber von einem Gebäude in ein anderes zu ziehen. Wo ist das Problem?

Stefan Liebich: Die USA sind das erste und einzige Land, das eine solche Entscheidung getroffen hat. Sie verstößt gegen UN-Resolutionen und es ist meines Erachtens auch völlig unnötig. Ich glaube, Mister Trump hat nur seine Wiederwahl im Kopf. Die Entscheidung ist nicht im Sinne der Bürger Israels oder der der Palästinenser. Es handelt sich hier nur um ein neues Kapitel von „America first“ und daher halte ich die Entscheidung für völlig falsch.

Wir reagieren und reagieren nur – aber was kann Deutschland in dieser Sache tun? Kann Deutschland überhaupt etwas tun?

Ein wichtiger Punkt ist, dass wir unsere eigenen Entscheidungen treffen müssen. Es ist nicht mehr wie in der Vergangenheit, dass die Vereinigten Staaten führen und Deutschland folgen muss. Und das liegt an Donald Trump. Er fragt nicht um Rat, er trifft einfach seine eigenen Entscheidungen. Er spricht nicht mit Verbündeten. Was wir tun müssen, ist deshalb, bei unserer Position einer Zwei-staaten-Lösung zu bleiben und ich glaube, der (Außen - d.R.) Minister hat hier völlig Recht.

Aber was kann man denn machen? Wenn Trump in ein paar Stunden verkündet: „Hört mal, Jerusalem ist die Hauptstadt des jüdischen Staates, was bleibt da?

Wir müssen dafür kämpfen, dass das eine Minderheitenposition bleibt, vielleicht vergleichbar mit dem Klimaabkommen von Paris. Auch hier sind die USA als einzige ausgestiegen, haben sich selbst isoliert. Also müssen wir in der Europäischen Union und der Weltgemeinschaft zusammenhalten. Ich habe gehört, dass die Philippinen darüber nachdenken, dem Beispiel der USA zu folgen. Aber die wären die ersten. In meinen Augen sollte die Mehrheit bei den alten Entscheidungen bleiben.

Aus: "DW news", Deutsche Welle, 6. Dezember 2017