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“Ich setze darauf, beide Parteien wirklich zu vereinen”

Gespräch mit politikorange

Wie wollen Sie als junger Funktionär der PDS die Wähler ansprechen?

Ich setze gar nicht primär darauf, junge Wähler anzusprechen. Ich mach ne bestimme Politik und linke Politik der Umverteilung, das finden viele junge Menschen richtig und viele junge Menschen finden es falsch. Ich mache keine Ansprache nach dem Motto "Wählt mich, weil ich jung bin", ich setze auf eine politische Richtung und hoffe, dass die jungen Leute sich damit angesprochen fühlen.

Machen sie irgendwas, damit die jungen Leute auf den Geschmack kommen?

Nein, aber mein Alter hilft mir natürlich. Wenn ich aber mit meinen Mitbewerbern Wolfgang Thierse, Günther Nooke und Werner Schulz eine Diskussion in einer Schule mache, dann haben die halt das Image der "bärtigen Bürgerrechtler" und eher Probleme, die Jugendlichen anzusprechen, während meine eigene Schulzeit noch nicht so lange her ist. Aber das ist kein super Vorzug, sondern einfach Glück.

Rechnen Sie sich Chancen aus, das Direktmandat in Pankow gegen Wolfgang Thierse und Werner Schulz zu gewinnen?

Es gibt Chancen, aber der Favorit ist ganz klar Wolfgang Thierse. Der ist als Bundestagspräsident bundesweit deutlich bekannter. Ich habe durch meine Arbeit in Berlin auf Landesebene schon einen gewissen Bekanntkeitsgrad, aber an Thierse komme ich nicht ran. Werner Schulz ist in den letzten Tagen sehr bekannt geworden durch seine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht. Das vergrößert meine Chancen, denn im rotgrünen Lager werden sich die Stimmen mehr aufteilen. Bei den letzten Wahlen hat Werner Schulz selbst kurz vor dem Wahltag dazu aufgerufen, Wolfgang Thierse mit der Direktstimme zu wählen. Das wird er diesmal ganz sicher nicht tun. Deshalb werden wir uns von den Prozenten sehr nahe kommen. Das ist meine Chance.

Wie läuft der Generationenwechsel in der Linkspartei voran?

Ich glaube, dass es bei uns ziemlich stürmisch verläuft. Die Partei hat sich bereits Anfang der neunziger Jahre entschieden, alten Verantwortungsträgern nicht umbedingt die vordersten Plätze zu geben. Deshalb hat man sehr schnell sehr jungen Leuten sehr wichtige Ämter gegeben haben. Bestes Beispiel: Katja Kipping, unsere sehr junge stellvertretende Parteivorsitzende aus Sachsen. Ich habe eher die Sorge, dass das "mittlere Alter" dabei ausgelassen wird. Wir haben die ganz Alten, dann gibt es einen Sprung und dann die "U35"-er.

Wie sieht der Kontakt zwischen der alten und der jungen Generation aus?

Erst einmal habe ich in den letzten Jahren gelernt, dass das Bild vom "alten Stalinisten" und dem "jungen Reformer" überhaupt nicht stimmt. Wir haben bei den Jungen ganz harte politische Auseinandersetzungen und bei den Alten auch. Es gibt viele SED-Funktionäre, die inzwischen sehr kritisch der DDR gegenüber stehen - kritischer, als so manche junge Leute.

Wo gibt es Reibungspunkte?

Beispielsweise bei Geschichtsfragen, über die schwierigen Daten wie Mauerbau oder Vereinigung von KPD und SPD. Es gibt dazu deutliche Mehrheiten für eine Betrachtung der Geschichte, aber uns wird oft vorgehalten, wir wären ja gar nicht dabei gewesen. Trotzdem habe ich politisch die Einschätzung, dass man hart bleiben und kritisch damit umgehen muss.

Wie hat sich Ihre Arbeit seit der Kooperation mit der WASG verändert?

Am Anfang gab es nur Funkstille. Die Berliner WASG hat sich nicht in Kritik an der SPD, sondern an uns gegründet. Viele ehemaliger Mitglieder unserer Partei sind zur WASG gewechselt und finden es schwer, mit ihrer früheren Partei zusammen zu arbeiten. Es war für uns aber auch schwer, Vertreter der WASG auf vordere Listenplätze der Linkspartei zu setzen, die unsere Politik falsch finden und das auch offen sagen. Wir haben uns zusammengerauft, wir machen einen eigenständigen Wahlkampf mit dem gemeinsamen Ziel, die Linkspartei in den Bundestag zu bringen.

Und was kommt danach?

Mit Blick auf die kommenden Wahlen gibt es heftige Auseinandersetzungen, denn die WASG will bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus gegen uns als eigenständige Partei antreten. Ich setze darauf, beide Parteien wirklich zu vereinen.

Das Gespräch führten Jonathan Fasel und Sebastian Wieschowski

(c) politikorange

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