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Stefan Liebich

„Das Gras nimmt Schaden“

Bei der ASEAN in Djakarta.

In der vergangenen Woche war ich für einige Tage in Südostasien, genauer in Singapur und in Indonesien. Ich nahm dort an einer Weiterbildung an der „Lee Kuan Yew School of Public Policy“ teil, vermittelt von der Robert-Bosch-Stiftung.

Singapur ist ein durchaus faszinierender Stadtstaat an einem vielbefahrenen Schifffahrtsweg, der Straße von Malakka. Hier leben Inder, Malaiien und Chinesen auf engstem Raum friedlich miteinander. Singapur hat in den letzten 50 Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht.

Blick auf Singapur

Das Modell eines de-facto-Ein-Parteien-Staats beschreibt zwar nicht das, was wir in Europa als Demokratie bezeichnen, doch ein austariertes Verfahren sorgt dafür, dass sich trotzdem die einzelnen Bevölkerungsgruppen bzw. Ethnien im Machtzentrum repräsentiert sehen.
Der Besuch in der indonesischen Hauptstadt Djakarta konfrontierte mich auch mit einem dunklen Kapitel westdeutscher Politik. Unter dem Regime von Diktator Suharto starben bei Massakern Mitte der 60er Jahre über 500.000 Menschen. Die Todesschwadronen machten vornehmlich Jagd auf vermeintliche Kommunisten und chinesische Einwanderer. Bis zum bitteren Ende hat die Bundesrepublik ihren Verbündeten gestützt. Auf meine Frage, warum so wenig über diese Barbarei geredet wird antwortete mir ein Journalist: „In Deutschland haben die Amerikaner geholfen an die Verbrechen Hitlers zu erinnern, in Indonesien halfen sie Suhartos Verbrechen zu vergessen.“

In Djakarta hat auch die ASEAN, die Regionalorganisation südostasiatischer Staaten, ihren Hauptsitz. Die Länder der Region geraten zunehmend in den Strudel der Rivalität zwischen den USA und China. Bei meinem Besuch bei der ASEAN, bat ich um eine Bewertung der Auswirkungen und bekam u. a. ein indisches Sprichwort zur Antwort: „Ob zwei Elefanten kämpfen oder sich lieben, das Gras nimmt Schaden“.