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Stefan Liebich

Krieg gegen Bildung

In Nigeria mehren sich die Anschläge auf Bildungseinrichtungen. Im Februar hatte die radikalislamische Sekte Boko Haram in der Provinz Yobe ein Internat angegriffen und dabei 43 Schüler getötet und 16 Schülerinnen verschleppt. Anfang April wurden rund 200 Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren entführt. Boko Haram hat sich zu ihrer Entführung bekannt. 53 Mädchen konnten den Angaben nach fliehen, die verbliebenen 223 Mädchen sollen zwangsverheiratet, versklavt oder verkauft werden, so der Chef der Sekte, Abubakr Shekau.

Boko Haram - seit 2010 nennt sich die Sekte offiziell „Verband der Sunniten für den Aufruf zum Islam und für den Aufruf zum Dschihad"- hält „westliche" Bildung für eine Sünde und hat der Schulbildung ebenso den Kampf angesagt wie dem aus ihrer Sicht „westlichen" Lebensstil. Ein Gottesstaat in ganz Nigeria ist ihr Ziel. Opfer des Terrors werden hierbei nicht nur nigerianischen Christen, sondern auch moderate Muslime.

Der nigerianische Präsident Jonathan Goodluck Jonathan hat im vergangenen Jahr eine Großoffensive gegen Boko Haram gestartet, jedoch ohne Erfolg. Statt den Terror einzudämmen, breitet sich dieser immer weiter aus. Inzwischen hat Boko Haram die Hauptstadt erreicht. Die Armee scheint bei den Übergriffen durch die Kämpfer der Sekte machtlos, immer häufiger sieht sie dem Morden tatenlos zu. So geschehen auch am 15. Februar diesem Jahres, als das überwiegend christliche Dorf Izghe im Bundesstaat Borno angegriffen wurde. Die Männer des Dorfes wurden versammelt und hingerichtet. Danach gingen die Angreifer von Haus zu Haus und töteten alle noch Verbliebenen. Der Angriff dauerte fünf Stunden und kostete insgesamt 146 Menschen das Leben. Die Armee schritt nicht ein. Am 23. Februar konnte Boko Haram ungehindert in das Dorf zurückkehren und es niederbrennen. Bei dem Angriff auf das Internat im Februar war die Armee nur Stunden vorher aus der Region abgezogen worden. Und auch bei der Suche nach den entführten Mädchen blieb die Armee erfolglos.

Nigeria ist reich an Erdöl, doch nur eine kleine Elite profitiert von den Einnahmen. Gerade auf dem Land leidet die Bevölkerung unter Analphabetentum, hoher Arbeitslosigkeit und dem Mangel an Infrastruktur. Eine gerechtere Verteilung des Reichtums Nigerias und eine höhere Chancengleichheit wären der erste Schritt hin zu einem Staat, in dem Korruption und die islamistische Ideologie keine Chance haben werden.

Es ist eine Aufgabe der Vereinten Nationen, Nigeria im Kampf gegen diesen Terror zu unterstützen. Auch die Mitgliedsländer der Afrikanischen Union müssen sich dem Problem gemeinsam stellen. Angesichts der Tatsache, dass sich die Terroristen mehr und mehr vernetzten und längst über Landesgrenzen hinaus aktiv sind, birgt nur eine gemeinsame Strategie eine Chance auf Erfolg bei der Bekämpfung.