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Stefan Liebich

Zugespitzte Lage in Nigeria

Terrorsekte drangsaliert Zivilbevölkerung

Im Norden Nigerias spitzt sich die Lage immer weiter zu. Die islamische Sekte Boko Haram versucht dort seit Jahren einen islamischen Gottesstaat zu errichten. In den letzten Tagen sind in der Region mehr als 200 Menschen ermordet worden. Am Samstag explodierten zwei Autobomben in Maiduguri im Nordosten Nigerias, bei denen Berichten zufolge allein 52 Menschen starben. Bei den Opfern handelte es sich größtenteils um Fußballfans, die eine öffentliche Fernsehübertragung verfolgten. Ebenfalls am Samstag töteten Boko Haram Kämpfer 39 Menschen im Dorf Mainok und zerstörten die gesamte Siedlung. In der Nacht zum Montag wurde das Dorf Mafa mit Sprengstoff, Maschinengewehren und Raketenwerfern angegriffen. Es sei wahllos in Häuser eingedrungen und auf Menschen geschossen worden, so Augenzeugenberichte.

Seit Anfang des Jahres sind in Nigeria mehr als 600 Menschen dem Konflikt im Norden zum Opfer gefallen. Die Regierung hatte 2013 den Ausnahmezustand über drei Bundesstaaten verhängt, doch auch dies brachte keine Entspannung der Lage vor Ort. Auch die Schließung der Grenzen zu Kamerun, wohin sich die Kämpfer der Boko Haram vorgeblich zurückziehen, scheint keinen Einfluss auf die Lage zu haben.

Boko Haram ist schon seit 2004 in Nigeria aktiv. Damals fielen sie durch die Gründung eines Trainingslagers mit dem Namen "Afghanistan" auf. Zunächst wurde die Gefahr jedoch von der nigerianischen Regierung unterschätzt. Erst seit 2009 die ersten Unruhen ausbrachen, denen ein Demonstrationsverbot für Boko Haram vorausgegangen war, bemüht man sich verstärkt, den wachsenden Einfluss der Islamisten zurückzudrängen.

Wichtig ist, dass sich die nigerianische Regierung mehr als bisher dem Schutz der Zivilbevölkerung widmet, sie dem Treiben der Terroristen Einhalt gebietet. Dabei sollte Nigeria eine enge Zusammenarbeit mit jenen afrikanischer Staaten anstreben, die als Rückzugs- oder Trainingsorte für Terroristen gelten. Eine Lösung nur für einen Staat wird es ohnehin nicht geben, weil sich die Gewaltexzesse dann nur über die Grenze zu verlagern drohen.