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Stefan Liebich

Frühstück in Washington

Breakfast mit Barack Obama.

Die amerikanische Küche erfüllt sicherlich nicht in jedem Fall den Anspruch an ein Gourmetdinner, trotzdem lohnte es sich, vergangene Woche zum Frühstück nach Washington zu reisen. Anlass war das „National Prayer Breakfast“, das nationale Gebetsfrühstück, seit 1953 organisiert von der Fellowship Foundation im Namen von Mitgliedern des US-Kongresses. Es ist eine hochkarätig besetzte Veranstaltung, zu der auch US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle, Vizepräsident Joe Biden sowie US-Außenminister John Kerry gekommen waren.

Gemeinsam mit vier Abgeordnetenkollegen aus der Regierungskoalition bildete ich die Bundestagsdelegation. Als einziger Linker stieß ich auf sehr großes Interesse, zumal zu Vorzeiten der DDR-Kirchenstaatssekretär Klaus Gysi bei dieser Veranstaltung einen außerordentlichen Eindruck hinterließ, der noch bis heute nachwirkt.

Das Weiße Haus im Februar.

In seiner Rede bekannte sich Obama überraschend eindeutig zur Religionsfreiheit, sowohl in den USA als auch in der ganzen Welt. Er würdigte den Einsatz von Außenminister Kerry für eine Friedenslösung im Nahen Osten und formulierte als Ziel, dass dort Juden, Christen und Muslime gleichermaßen die Möglichkeit haben sollen, in Frieden ihre Religion zu leben und in Sicherheit ihre heiligen Stätten zu besuchen. Ich muss gestehen, das gefiel mir gut. Weniger gut gefiel mir seine fehlende Auseinandersetzung mit der NSA.

Gespräche mit Kongressabgeordneten und Senatoren sowie ein Empfang in der deutschen Botschaft, der bald ein neuer Mann vorstehen wird, machten den „Frühstückstrip“ zu einer außerordentlich informativen Angelegenheit. Ein Höhepunkt dieser Reise war dann mein Gespräch mit dem großen Linken Norman Birnbaum. Aus all meinen Begegnungen ziehe ich den Schluss, dass Duckmäuserei gegenüber der Politik der US-Regierung genauso falsch wäre, wie reiner Antiamerikanismus. Linke Außenpolitik sollte immer selbstbewusst und differenziert sein, auch gegenüber den USA.