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Stefan Liebich

Blockade ist ein Verbrechen

Palästinensisches Flüchtlingscamp in syrischer Geiselhaft

Yarmouk, ein Palästinensercamp in Damaskus, hat in der vergangenen Woche weltweit zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Vor dem Beginn des Bürgerkriegs vor drei Jahren lebten dort 160.000 bis 180.000 Menschen, es galt als die größte palästinensische Siedlung in Syrien. Bei seiner Gründung 1957 lag Yarmouk außerhalb von Damaskus, inzwischen ist der Ort Teil der syrischen Hauptstadt. Um ein Flüchtlingscamp im engeren Sinne handelt sich es längst nicht mehr; nach Augenzeugenberichten gibt es dort auch keine Zelte. Vielmehr ist es ein städtisches Quartier mit Internetcafés, Taxen, Schulen, Friseuren und vier Krankenhäusern. Nach offiziellen Angaben wurden im Juli vergangenen Jahres die Tore Yarmouks von Assads Truppen geschlossen, Hilfe wurde seither keine zugelassen. Hilfsorganisationen, die in den vergangenen Wochen versucht haben, Nahrungsmittel nach Yarmouk zu bringen, wurden beschossen.

Der Krieg in Syrien wird mit zunehmender Dauer mit immer brutaleren Methoden geführt. In Yarmouk sind derzeit noch immer 20.000 Menschen eingeschlossen, die anderen Einwohnerinnen und Einwohner sind auf der Flucht. Allein in den letzten Wochen verhungerten mindestens 40 Menschen oder starben auf Grund einer Unterversorgung mit Medikamenten. Nach Angaben der Vereinten Nationen versuchen die Menschen dort sich durch das Essen von Gras und Tierfutter zu ernähren, laut anderen Quellen auch durch das Schlachten ihrer Haustiere. Etliche Frauen seien bei der Geburt ihres Kindes verstorben, da es keine medizinische Versorgung gibt. Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay sprach in der vergangenen Woche von einer Bestrafung der gesamten Bevölkerung des Camps durch die Truppen Assads.

Diese Blockade ist ein Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung. Eine erste Hilfslieferung, welche jetzt die Menschen in Yarmouk erreichte und ca. 200 Lebensmittelrationen umfasst, begrüße ich, sie ist aber noch lange nicht ausreichend. Auch Medikamente und ärztliche Hilfe werden dringend benötigt. Internationalen Hilfsorganisationen muss dringend der sichere Zugang zu allen belagerten Regionen gewährt werden, um das Leid der Zivilbevölkerung zu lindern. Die unglaublichen Kriegsverbrechen in Syrien gehören dringend auf die Tagesordnung der anstehenden Genfer Friedenskonferenz.