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Stefan Liebich

Zentralafrika in Not

Seit im März der Staatspräsident der Zentralafrikanischen Republik Francois Bozizé durch muslimische Rebellen der Séléka gestürzt wurde, verschlechtert sich die Situation in dem Land immer weiter. Auch die Ernennung des neuen Staatschefs Michel Djotodiva im August brachte keinerlei Ruhe. Die Truppen der Séléka sind weiterhin im Land aktiv, im Gegenzug bilden sich immer mehr Bürgerwehren.

Menschenrechtsorganisationen werfen den neuen Machthabern Plünderungen, Verfolgung, Mord und Vergewaltigung vor. Zudem gibt es Erkenntnisse darüber, dass Djotodiva den durch den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesuchten, flüchtigen Joseph Kony mit Medikamenten und Lebensmitteln unterstützt oder gar im Land versteckt hält. Kony gründete vor 25 Jahren in Uganda die Lord's Republican Army (LRA) und stürzte die Region bei dem Versuch, ein christlich-fundamentales Land auf Basis der zehn Gebote zu wandeln, in einen veritablen Bürgerkrieg. Die LRA wird für mehr als eine Million Morde verantwortlich gemacht. Außerdem sollen seine Truppen mehr als 600.000 Kinder verschleppt haben, um sie als Kindersoldaten zu missbrauchen.

Um die Situation in der Zentralafrikanischen Republik unter Kontrolle zu bringen und die Menschen zu schützen, hat die Mission der afrikanischen Union (MISCA) 2.500 Soldatinnen und Soldaten in das Land entsandt. Derzeit sind dort mehr als 400.000 Menschen auf der Flucht, ganze Landstriche sind bereits entvölkert. Mehrere zehntausend Menschen halten sich laut Angaben des Roten Kreuzes aus Angst vor Übergriffen durch die Séléka im Busch auf. Die humanitäre Situation dort ist verheerend. Es gibt für die Flüchtlinge kaum frisches Wasser, Nahrungsmittel oder gar medizinische Versorgung. Malaria und Seuchen greifen massiv um sich. Besonders Schwangere und Kinder sind von der Unterversorgung betroffen. Zudem hat UNICEF schon im April darüber berichtet, dass bewaffnete Truppen fortwährend Kindersoldaten rekrutieren.

Frankreich und die USA haben in der Zwischenzeit davor gewarnt, dass die Situation in einen Völkermord abzudriften droht. Frankreich hat 450 Armeeangehörige in das Land entsandt und will die Zahl weiter aufstocken.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen diskutiert seit Montag, 6.000 Blauhelme zur Friedenssicherung in die Zentralafrikanische Republik zu schicken. Die Entscheidung soll bis Ende der kommenden Woche fallen.

Wir wollen, dass die humanitäre Hilfe oberste Priorität hat und umgehend verstärkt wird. Die Versorgung der Flüchtlinge im eigenen Land mit Lebensmitteln und Medikamenten muss durch die internationale Gemeinschaft sichergestellt werden.