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Stefan Liebich

Frauen ohne Rechte

In Ägypten gestaltet sich die Situation weiterhin sehr schwierig. Der Prozess gegen den gestürzten Präsidenten Mursi wurde vertagt, das Militär behält die Macht und es ist unklar, wann es Neuwahlen geben wird.

Besonders schwierig ist die Lage allerdings für Frauen. In einer jetzt von der Thomson Reuters Stiftung veröffentlichten Studie liegt Ägypten nach der Revolution im Ranking um die beste Lebensqualität für Frauen in der arabischen Welt auf dem letzten Platz - hinter Ländern wie Jemen, Irak und Saudi-Arabien. Auch wenn im Jemen Mädchen teils schon mit elf Jahren verheiratet werden und in Saudi-Arabien noch immer Autofahren für Frauen nicht erlaubt ist.
Im Parlament ist die Frauenquote von zwölf Prozent unter Mubarak auf nur noch zwei Prozent gefallen. Zum Vergleich: in Saudi-Arabien sind 20 Prozent der Parlamentarier weiblich.

Besonders erschreckend sind auch die Zahlen der Frauen und Mädchen, die sexuelle Belästigung erfahren haben: 98,9 Prozent der Frauen geben an, dass sie schon ein- oder mehrmals belästigt wurden. Wurde nach der Belästigung eines Mädchens auf offener Straße Anfang der 1990er Jahre noch öffentlich darüber diskutiert, wie solche Vorfälle zu bekämpfen seien, gehen die Zahlen heute gerade während der religiösen Feiertage in die Hunderte. Alleine im vergangenen Jahr wurde während der vier Eid-Feiertage 700 Vorfälle gemeldet. Amnesty International berichtet, dass Frauen von ganzen Gruppen von Männern festgehalten werden. Ihnen werde die Kleidung vom Leib gerissen, sie würden angefasst und auch von Vergewaltigungen ist die Rede.
Auch das Problem der Genitalverstümmelung hat die Regierung nicht weiter in Angriff genommen. Mehr als 91 Prozent der Ägypterinnen sind laut Unicef beschnitten - das ist die höchste Zahl in einem Einzelland weltweit. Ihnen wurden als Mädchen zumeist die Klitoris ganz oder teilweise entfernt. In Einzelfällen werden auch die Schamlippen amputiert. Zudem können 37 Prozent der erwachsenen Ägypterinnen weder lesen noch schreiben und werden so vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Die schwierige Arbeitsmarktlage treibt sich vermehrt in die Arme von Banden, die Ägypterinnen als Prostituierte in die Nachbarländer schleusen.

Es bedarf nicht nur einer Revolution des politischen Systems, sondern auch eine Revolution in den Köpfen der Menschen, um die unterdrückende Wirkung, den der Mix aus Tradition und Religion in Ägypten hervorbringt, zu stoppen.

Die Bedeutung der Frauenrechte darf bei internationalen Verhandlungen nicht in den Hintergrund rücken. Wir fordern die Bundesregierung auf, bei den Vereinten Nationen oder bei weiteren bilateralen Verhandlungen mit Ägypten die Situation der Frauen zu thematisieren und auf den Schutz ihrer Rechte hinzuwirken.