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Hartmut Seefeld

Stolz wie Bolle

Der Gedenkstein wurde 2005 aufgestellt.

Es war Anfang der 90er Jahre, als die BVG erstmalig Journalisten zu einer nächtlichen Tour im offenen Wagen durch ihr geschichtsträchtiges Tunnelsystem geladen hat, mit dem profunden Berlinkenner Heinz Knobloch als Begleiter. Zum Ende der Tour gegen zwei Uhr morgens am Halleschen Tor verstreuten sich die Teilnehmer flink in alle Himmelsrichtungen, nur Heinz Knobloch blieb ziemlich einsam zurück. Der Ehrengast der BVG musste zusehen, wie er zu nächtlicher Stunde den Weg von Kreuzberg nach Pankow findet. Kurzerhand bot ich ihm an, ihn mit meinem Auto nach Hause zu bringen und prompt gab es zwei glückliche Menschen - der eine war stolz wie Bolle, einen so exklusiven Fahrgast zu haben und der andere war einfach nur froh, doch noch nach Hause zu kommen. So landete ich erstmals vor seiner Haustür in der Masurenstraße 4.

Berliner Gedenktafel für Heinz Knobloch

Seit wenigen Tagen erinnert eine Berliner Gedenktafel neben dieser Haustür, gefertigt aus dem Porzellan der „Königlich-Preußischen Porzellanmanufaktur) (KPM), an Heinz Knobloch, den geboren Sachsen und einzigartigen Berlinliebhaber, langjährigen Pankower, großartigen Feuilletonisten und fesselnden Buchautor. Unvergessen sind Werke wie „Stadtmitte umsteigen“, „Berliner Grabsteine“ oder „Geisterbahnhöfe“. Über 20 Jahre lang veröffentlichte er jede Woche in der „Wochenpost“ seine Feuilletons. Bereits seit 2005 trägt die kleine Grünanlage an der Pankower Mansurenstraße seinen Namen, in der auch ein Findling mit seinem Bronzeporträt steht.

Man ist sich nicht ganz sicher, ob Heinz Knobloch wirklich Gefallen an soviel Ehrung finden würde. Doch es ist eine Tatsache: Wer Berlin und die Berlinerinnen und Berliner kennen und verstehen lernen will, kommt an ihm und seinen Texten einfach nicht vorbei.
Heinz Knobloch starb 2003 im Alter von 77 Jahren.