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Deutschland und Korea haben Schnittpunkte

Protokollrede zu Deutsch-Koreanische Beziehungen

Herr Präsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

Als am 26. November 1883 das Deutsche Reich und das Königreich Korea, damals ein China tributpflichtiger Vasall einen Handels-, Schifffahrts- und Freundschaftsvertrag abschlossen, beschleunigte das die Öffnung des Landes. Korea geriet infolge von Kriegen zwischen China und Japan unter die Herrschaft Japans, bis es schließlich gänzlich japanische Kolonie wurde. Erst mit der Befreiung Koreas durch amerikanische und sowjetische Truppen 1945 endete diese grausame und bis heute nicht aufgearbeitete dunkle Kolonialgeschichte.

Verbunden sind Korea und Deutschland nicht zuletzt durch gemeinsame Erfahrungen. Dazu zählen die Teilung Ihrer Länder und der Wirtschaftsboom nach Kriegsende. Nicht vergessen sollten wir dabei den Korea-Krieg von 1950-53, der einen tiefen Eindruck bei Deutschen in Ost und West hinterließ. Einer der blutigsten Krieg des 20. Jahrhunderts, ausgetragen in einem geteilten Land unter Beteiligung der jeweiligen Führungsmächte des Kalten Krieges. Sowohl in der DDR wie auch in der Bundesrepublik wurde nach dem Krieg Unterstützung für Nord- und Südkorea beim Wiederaufbau des völlig zerstörten Landes organisiert.

Doch während die Teilung in Deutschland überwunden werden konnte, hält sie in Korea an und hält mit ihren Auswüchsen die Welt wieder und wieder in Atem.

Die koreanische Halbinsel gehört zu den am meisten militarisierten Gegenden der Erde. Atomwaffen, weitreichende Raketen, riesige Bestände an konventionellen Waffen in Nord und Süd gefährden den Frieden nicht nur in Asien.

Andererseits hat Südkorea eine wirtschaftliche Entwicklung genommen, die es in den Kreis der sog. Tiger-Staaten brachte. Als wir unlängst mit einer Delegation des Auswärtigen Ausschusses in der Sozialistischen Republik Vietnam weilten und deutsche Abgeordnete nach Verbindungen der vietnamesischen Kommunisten nach Nordkorea fragten, schüttelten diese nur den Kopf und verwiesen stattdessen auf den großen südkoreanischen Mischkonzern Samsung der der größte Investor in Vietnam ist.

Nicht nur in Asien haben sich südkoreanische Konzerne Märkte erschlossen. Auch hier in Deutschland nutzen wir Mobiltelefone, Autos und andere Produkte aus südkoreanischer Produktion.

Trotzdem – das möchte ich kritisch anmerken – fehlt eine strategische Einbettung der Beziehungen zu beiden Staaten Koreas in eine Gesamtstrategie für Deutschlands Beziehungen nach Asien. Die x-te strategische Partnerschaft wird uns an dieser Stelle nicht helfen.

Deutschland hat in vielerlei Hinsicht Schnittpunkte mit beiden Koreas.

Bedeutsam war die beidseitige Unterzeichnung des Anwerbeabkommens 1963, im Rahmen dessen koreanische Bergarbeiter und Krankenschwestern in die Bundesrepublik Deutschland entsandt wurden. Bis 1977 sind fast 8000 Koreaner und etwa 10.000 Koreanerinnen nach Westdeutschland eingereist, um im Bergbau bzw. in Krankenhäusern ihren Dienst zu tun. Auch die Kontakte zwischen der DDR und der KDVR, wie sie bei uns hieß, also Nordkorea werden im Antrag erwähnt, obwohl sie nie diese Größenordnung an Austausch erreicht haben.

An diese Erfahrungen will der Antrag anknüpfen und neben der Unterstützung für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel vor allem menschliche Kontakte, Spracherwerb und Kulturaustausch fördern.

Unsere Fraktion DIE LINKE begrüsst und unterstützt diese Initiativen und stimmt daher dem Antrag zu, auch wenn es nicht verschwiegen werden soll, dass eine Initiative aller Fraktionen für diesen Antrag nicht an uns gescheitert ist, sondern einmal mehr an den Albernheiten der CDU/CSU-Fraktion, die alle anderen Fraktionen daran hindert gemeinsame Anträge einzubringen, wenn wir uns - wie in diesem Fall - einig sind. Es wäre ein schönes Zeichen, auch an die koreanische Halbinsel, wenn auch diese letzten Ausläufer des Kalten Krieges hier endlich beendet werden würden.