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Gabi Kuttner

Nur drei Dinge

teamliebich unterwegs

Eigentlich wollte Stefan auch am Freitag bei der Verlegung des Stolpersteins zu Ehren von Charlotte Arnfeld in der Binzstraße 66 dabei sein. Eine unvorhergesehene Änderung der Tagesordnung im Bundestag verhinderte dies leider.

Das bedauerten auch die Initiatoren André Förster, Inhaber des Verlages für Berlin-Brandenburg und Christel Liebram vom Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.

Der Antrag auf Verlegung des Stolpersteins wurde von der auch anwesenden Vera Breitwieser-Dörrier initiiert, Tochter des Bibliothekars und Pankower Heimatchronisten Rudolf Dörrier. Die Großeltern von Vera Breitwieser-Dörrier waren mit den Arnfelds befreundet.

Der erste Pankower Stolperstein wird verlegt.

In der Binzstraße 66 lebte die unverheiratete Charlotte Arnfeld mit ihrer Mutter und Schwester bis zum Februar 1943. Als „Mischling“, wie es die Nazis nannten, blieb sie zunächst von der Deportation verschont , da sie eine „arische“ Mutter hatte. Danach wurde sie als jüdische Arbeiterin während der so genannten Fabrikaktion nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

Besonders drei sehr persönliche Dinge werden alle Anwesenden Charlotte Arnsfeld nicht vergessen lassen: ein kleiner, mächtig „abgeliebter“ Teddy, ein Foto und ein Brief, den sie noch am 4. März 1943, dem Tag ihrer Deportation, an ihre Mutter und Schwester schrieb und der die Adressaten erreicht hat. Dieser Brief ist ein bedrückendes Zeugnis:

Charlotte Arnfeld, geboren 1912

Bln, den 4.3.43
Meine geliebte, gute Mutti, liebe Ruth!
Nun ist es doch anders gekommen, aber ich vertraue auf Gott. Möge er Euch und mich gesund erhalten, auf daß wir uns doch noch einmal wiedersehen.
Über Dein mit soviel Liebe gepacktes Päckchen habe ich mich sehr gefreut, zumal ich gerade etwas gedrückt war, weil ich als ledig meine 2 Stunden Urlaub nicht bekommen habe. Meine Schlüssel konnte ich leider nicht mehr übermitteln. Mein Schicksal teilen noch viele Mischlinge, welche beim verspäteten Austritt über 21 Jahre waren.
Ruth soll sich nicht sorgen.
Hofft auf ein gutes Zeichen; Gott wird uns nicht verlassen.
Bleibt stark und nehmt herzliche Grüsse und Küsse
Eure Euch liebende Lotte


Liebe Ruth! Tröste Mutter, richte sie auf und bleibe immer gut zu ihr
Eine Brotkarte habe ich jemand zur Beförderung übergeben.

Wenige Zeilen des Abschieds, trotzdem voller Hoffnung.