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Stefan Liebich

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Rede zur Verlegung des Stolpersteins in der Fehrbelliner Straße 3

Liebe Mirjam, liebe Dafna,

mein Name ist Stefan Liebich, ich bin Abgeordneter des Deutschen Bundestages und vertrete diesen Wahlkreis in unserem Parlament.

Ich bin sehr froh, Sie hier in Deutschland, in Berlin begrüßen zu können. In der Stadt, in dem Land, das für immer auf schreckliche Weise mit Ihrer Familie verbunden sein wird.

Wir erinnern uns heute hier in der Fehrbelliner Straße, hier in Prenzlauer Berg an Ihre Großmutter bzw. Urgroßmutter Theresa Zlotnicki. Sie wurde 1872, nur hundert Jahre vor mir, geboren, lebte hier mit ihrem Mann, einem Schneider, bekam einen Sohn und vier Töchter. Sie hätten eine glückliche Berliner Familie sein können, wenn nicht die allermeisten Deutschen Adolf Hitler bejubelt und seine wahnsinnige Politik zugelassen oder sogar unterstützt hätten. Mit den Pogromen 1938, im Jahr nachdem Theresas Mann Max starb, der sogenannten „Reichskristallnacht“, wurde von der Staatsmacht in Deutschland der Übergang von der Diskriminierung der Jüdinnen und Juden zum Holocaust eingeleitet. Über fünf Millionen Menschen wurden ermordet. Auch Ihre Familie war dabei.

Theresa Zlotnicki wurde im Alter von 70 Jahren nach Theresienstadt und dann nach Treblinka deportiert und dort ermordet. Ihr Sohn Erich und dessen Frau Hertha wurden in Auschwitz ermordet. Ihre Tochter Herta, deren Mann Arthur und deren Kinder Helga und Günther wurden in Auschwitz ermordet. Ihre Tochter Else und deren Mann Ludwig ebenso. Und ihre Tochter Vera, deren Mann Heinrich und selbst die vierjährige Tochter Ruth wurden von den Nazis in Riga umgebracht. Nur Irena Rosen, ihre Mutter bzw. Großmutter, konnte noch rechtzeitig nach Palästina fliehen.

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“ sagte Primo Levi. Damit es nicht wieder geschieht, erinnern wir uns was Menschen Menschen angetan haben.
Und damit es nicht wieder geschieht, ist es gut, dass es Israel gibt.

Für mich steht eines fest:

Wann immer Jüdinnen oder Juden angegriffen werden, sei es hier in Berlin, in ihrem Staat Israel oder irgendwo auf der Welt, dann weiß ich, wo ich stehe:

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