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Stefan Liebich

Forschungspreise und ein Doktortitel

Anlässlich des deutsch-südafrikanischen Wissenschaftsjahres reiste Professorin Dr. Annette Schavan als Bundesministerin für Bildung und Forschung vom 4. bis 8. Februar nach Südafrika. An dieser Reise nahm ich als Vorsitzender der Parlamentariergruppe des Bundestags für die Staaten des südlichen Afrika teil. Neben weiteren Bundestagsabgeordneten setzte sich die Delegation vor allem aus Präsidenten von deutschen Universitäten und Wissenschaftseinrichtungen zusammen. Unser Aufenthalt führte uns in die Hauptstadt Pretoria, nach Johannesburg und Kapstadt.

Wir besuchten ein Mathematikzentrum in Johannesburg, in dem Schülerinnen und Schüler aus den Townships eine unterstützende Ausbildung erhielten und Unternehmen, die sich in der Berufsausbildung engagieren. Es war eine bemerkenswerte Erkenntnis, dass zum Teil dort die Ausbildung von Frauen und Mädchen in "frauenuntypischen“ Berufen weiter fortgeschritten ist als bei uns Zuhause.

Am Rande der Begegnung mit dem südafrikanischen Minister für Wissenschaft und Technologie, Derek Hanekom (ANC) lernte ich dessen persönlichen Berater Martin Mulcahy kennen, mit dem ich einen außerordentlich interessanten Abend verbrachte. Er hatte als Weißer im Apartheid-Südafrika den Wehrdienst verweigert und schwarze Schülerinnen und Schüler unterrichtet und konnte mir nun viele Fragen zur Situation in der Regierung des Landes beantworten. Angesichts der anhaltenden Spaltung der Gesellschaft in arm und reich und der längst nicht überwundenen Spannungen zwischen den Bürgerinnen und Bürgern des Landes mit unterschiedlichen Hautfarben, steht Südafrikas Regierung, die sich aus Vertretern des ANC, der Kommunistischen Partei Südafrikas und des Gewerkschaftsbunds COSATU zusammensetzt, weiterhin vor großen Herausforderungen. Zugleich muss die Regierung von Präsident Zuma auch der wachsenden internationalen Verantwortung als Teil der an Einfluss gewinnenden BRICS-Staaten (Brasilien, Indien, China, Südafrika) gerecht werden.

Bedrückend war der Besuch einer der leider immer noch typischen Wellblechsiedlungen an den Stadträndern. Hierher ins Abseits umgesiedelt wurden die Ärmsten der Armen auch, um 2010 die Straßen für die zahlreichen internationalen Gäste zur Fußballweltmeisterschaft freundlicher zu gestalten.

Zum Abschluss der Reise verlieh der Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, Professor Helmut Schwarz, gemeinsam mit Ministerin Schavan mehrere nach Alexander Neville benannte Forschungspreise an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Südafrika. Der Preis ist nach einen kürzlich verstorbenen Kampfgefährten von Nelson Mandela benannt worden.

Die gesamte Reise wurde von den Diskussionen über die politische Zukunft der Ministerin nach der Aberkennung ihres Doktortitels durch den Fakultätsrat der Universität Düsseldorf am 5. Februar überschattet. Der enorme Medienauflauf bei der Rückkehr unserer Delegation galt in keiner Weise den Inhalten unserer Reise. Angesichts des enormen medialen Drucks fand ich es bemerkenswert, wie souverän und konsequent Frau Schavan das vom deutschen Botschafter Dr. Horst Freitag und seinem Team hervorragend organisierte Besuchsprogramm absolvierte.