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Für ein soziales Land, mit Oskar Lafontaine und Harald Wolf

Geschrieben von Steffen Pachali

Zwei Gesprächsgäste bei Brot, Pop & Politik

Wie wird man linker Politiker, was heißt linke Reformpolitik in der Praxis und im 21. Jahrhundert? Für diese Fragen hatte Stefan Liebich gestern Abend den früheren SPD- und DIE LINKE-Vorsitzenden sowie ehem. saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine und den Wirtschaftssenator und Spitzenkandidaten der LINKEN für die Abgeordnetenhauswahlen Harald Wolf in die Brotfabrik eingeladen.

Beide erzählten zunächst, wie sie überhaupt in die Politik gekommen sind: "Nicht für das Parteileben, sondern um politisch zu gestalten", so Oskar Lafontaine; "Der Vietnamkrieg und der Putsch gegen Allende in Chile waren wesentliche Gründe, sich politisch einzumischen", erzählte Harald Wolf.

100 Zuhörer - drinnen und draußen - lauschten interessiert

Besonders interessant wurde es, als es um die ganz konkrete Politik ging. Wie war das, als Oskar Lafontaine im Saarland und Harald Wolf in Berlin Haushaltssanierung bzw. Haushaltskonsolidierung machen mussten? Wie war bzw. ist das, als an der Saar die Stahlindustrie gerettet oder in Berlin die Wirtschaft wieder auf Zukunftsindustrien ausgerichtet wurde? Wie sind die Unterschiede und Möglichkeiten, wenn man dies als kleinerer Partner in einer Koalition oder mit absoluter Mehrheit im Parlament tut?

Das Duo Pikocs mit schöner Balkanmusik

Linke Reformpolitik meint, so Harald Wolf, in der Gegenwart konkrete Verbesserungen zu erreichen, aber das Ziel, die Gesellschaft durch gesellschaftliche, politische Prozesse zu verändern, im Auge zu behalten. Das habe sich nicht verändert. Für Oskar Lafontaine ist die zentrale Frage weiterhin eine wirkliche Demokratie, da - wie man in der gegenwärtigen Finanzkrise sehen könne - nicht mehr die Mehrheiten die Politik bestimmen, sondern Minderheiten mit mehr Einfluss. Menschlich mögen Harald Wolf und Oskar Lafontaine verschieden sein. Aber wenn man Gelegenheit hat, gemeinsam ins Detail zu gehen - wie an diesem Abend - stellen sich doch mehr Gemeinsamkeiten heraus, als viele gemeinhin denken.