Menü X

Vor zwanzig Jahren in Pankow. Und wo warst Du?

Artikel in der ExtraDrei, Zeitung der LINKEN.Pankow

Geschrieben von Renate Tepper

20 Jahre Mauerfall. Auf vielfältige Weise wird dieses Jahrestages gedacht. Initiiert von der Basisorganisation Luise hatte Stefan Liebich am 18. September vier Gesprächspartner
zum Roten Salon ins Kavalierhaus in der Breiten Straße 45 eingeladen, um sie zu fragen: »Herbst 89. Und wo warst Du?« Der Jurist Nils Busch-Petersen erinnerte an DDR-Wahlbetrug und den Versuch der FDJ-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung, Bewegung in das erstarrte politische System zu bringen. Wohl einmalig in Ost-Berlin war das demokratische Zusammenwirken von Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und Rundem Tisch in Pankow. So wie auch, dass er als FDJ-Mitglied für 108 Tage Bürgermeister von Pankow wurde. Für den Swingmusiker Andrej Hermlin war die Wende eine Befreiung. Im Wissen, dass die DDR so nicht von Bestand sein konnte, gaben ihm Glasnost und Perestroika neue Hoffnung auf demokratische Entwicklungen im Sozialismus. Ökonomische, ideologische, wie auch politische Prozesse in der DDR drängten auf Veränderungen. Fast symbolischen Charakter hatte die von Hermlin geschilderte Episode von der Festveranstaltung zum 40. Jahrestag der DDR im Palast der Republik. Er sah Erich Honecker allein an einem großen Tisch sitzen, weil seine Genossen an den Fenstern voller Angst, Ohnmacht und Entsetzen auf die vorbei ziehenden Demonstranten sahen. Menschen waren also für ihre berechtigen Forderungen auf die Straße gegangen. Die Radiomoderatorin Marion Brasch und der Vortragskünstler Jürgen Kuttner schilderten auf sehr persönliche Weise ihre DDR-Erfahrungen. Lebendig wurden noch einmal die engagierte Jugendbewegung für den Erhalt des Jugendradios »DT 64« und der Elan bei der Entwicklung journalistischer Aktivitäten, zum Beispiel für eine Ost-taz, in der Umbruchzeit. Die Veranstaltung war ein unterhaltsames Erinnern, ein Blick auf Gelebtes, Erfahrenes, auf Hoffnungen und Enttäuschungen. Das zahlreich erschienene Publikum verfolgte mit Sympathie und Beifall das lebendige Gespräch. Es war nicht nur Erinnern, sondern auch sehr gegenwärtig. Denn wir hatten Wahlkampfzeit und Stefan Liebich stritt für DIE LINKE.