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»Berlin 1988 – Luxemburg, die SED und die Freiheit der Andersdenkenden«

Meral2, Thomas Klein, Stefan Liebich, Marion Seelig


Bei der letzten Brot, Pop und Politik-Veranstaltung hatten Zeitzeugen der Opposition der DDR die Gelegenheit, die Ereignisse in Ost-Berlin zu beschreiben und zu interpretieren, wie sie sie 1988 erlebt haben. Das Thema diesmal lautete »Berlin 1988 – Luxemburg, die SED und die Freiheit der Andersdenkenden« und Stefan Liebich hatte Marion Seelig und Dr. Thomas Klein, die beide seinerzeit aktiv in der Oppositions- und Friedensbewegungen waren, als Gesprächspartner zu Gast. Nach der Vorstellung der Gäste und nach einer musikalischen Einstimmung auf den bevorstehenden Abend durch die charismatische Sängerin Meral, die von Chris an der Gitarre begleitet, deutschsprachigen Soul vortrug, wurden die Zuhörer mit der Einspielung eines Kommentars von Radio DDR zu den Ereignissen auf der Luxemburg-Liebknecht Demonstration am 17. Januar 1988 und einem Lied des „Oktoberclubs“ spezifisch auf das Thema des Abends eingestimmt.
So wurde Klein befragt, wie die Friedensbewegung entstanden ist und welche Personen dort aktiv waren. Marion Seelig bedachte der Moderator mit der Frage, wie sie zu Rosa Luxemburg steht, wie sie ihre damalige Bedeutung einschätzt und inwieweit sich die Linken heute mit ihren Theorien identifizieren.
Die Antworten, fielen sehr sachlich aus. Beide Gesprächsgäste wirkten sehr abgeklärt, versuchten die Ereignisse nicht mit persönlichen Empfindungen zu verknüpfen. Die Freiheit, die sich seinerzeit genommen haben, anders zu denken als es die SED-Führung verlangte, sich trotz befürchteter Repressalien durch die Machthaber der DDR in oppositionellen Gruppen und Bewegungen zu organisieren, beschrieben sie als einen für sie unausweichlichen politischen Schritt und logische Konsequenz ihrer persönlichen Kontakte. Die damit verbundenen Auswirkungen und Ängste, die Entbehrungen und die Leidenschaft, die für ihre oppositionelle Haltung notwendig waren, waren nicht Thema. Vermutlich haben Seelig und Klein schon allzu oft auf diese Fragen geantwortet. Klar war jedenfalls, dass sie, aber auch der aus dem Publikum mitdiskutierende Reinhard Schult (Neues Forum) zu den Mutigeren der DDR gehörten. Gut, wie immer, gelang es Meral mit ihrer Musik Farbtupfer in die Debatte zu bringen.

Nicole Trommer