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Antikommunismus pur!

Sozialdemokrat Momper zu Gast bei der PDS-Basis in Pankow

Der ehemalige Fraktions- und Landesvorsitzende der Berliner Linkspartei/PDS, Stefan Liebich, ist gegenwärtig nur noch stellvertretender Fraktionsvorsitzender, hat also mehr Zeit, als er zuletzt gewöhnt war. Und weil seine Partei seit 2002 mitregiert und dafür vom Fusionspartner WASG unter Beschuss steht, nutzt er die neue Freiheit, um sich als Frühpensionär nützlich zu machen. Von Bundestagsvizepräsident Thierse hat er gelernt, wie man seinen Wahlkreis pflegt (oft besuchen und einladen), und von der Kommunistischen Plattform seiner Partei, dass man auch mit kleinen Truppen innerparteilich äußerst schlagkräftig sein kann. Liebich führt wie Thierse - dem er bei der Bundestagswahl 2005 unterlag - einen Salon. Am Mittwochabend ging es um ein Thema, das eine Inschrift in der Friedrichsfelder Gedenkstätte der Sozialisten so umschreibt: "Den Opfern des Stalinismus". Der Stein sorgte in der Zeitung "Neues Deutschland" für Leserbriefdebatten; er wurde von der Kommunistischen Plattform heftig abgelehnt.


Liebichs Einladung zu "Brot, Pop und Politik" waren viele gefolgt. Ein Gast schimpfte wutentbrannt: "Antikommunismus pur! Sauerei!" Da hatte aber der Präsident des Abgeordnetenhauses noch nichts gesagt. Momper (SPD) verblüffte Gastgeber und Gäste mit einer Suada über den echten Stalinismus und den "Unsinn", die "späte DDR" damit in Verbindung zu bringen. "Das ist doch normal", wenn eine Partei sich mit Geschichte beschäftigt, versicherte er den Koalitionsfreunden und sprach lässig von den "zwei Teilen" der deutschen Arbeiterbewegung, deren anderem Teil er sich an diesem Abend entschlossen an den Hals warf. Der Historiker Ulrich Mählert, der in der Historischen Kommission der SPD mitarbeitet, konstatierte, Momper bleibe hinter der Historischen Kommission der PDS zurück. Zum Abschied zitierte Liebich den Leiter der DDR-Auslandsspionage, Markus Wolf, der vor seinem Tod davon gesprochen hatte, wie akut und schmerzhaft Trauer und Scham werden, wenn politische Verbrechen an die Öffentlichkeit gelangen. (mk.)


(c) Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.4.2007