Stefan Liebich, DIE LINKE

Carola Bluhm: "Wir hätten gemeinsam für Fehler gerade gestanden"

Carola Bluhm
Carola Bluhm (Foto: Landesarchiv Berlin)
Anderen vertrauen und an andere abgeben können. Wenn ich etwas über Stefan Liebich erzählen soll, wäre dies das Erste, was mir einfällt. Ich denke da vor allem an die Zeit, als er Vorsitzender der PDS-Fraktion im Abgeordnetenhaus und Landesvorsitzender der Partei war. Doppelfunktionen gut auszufüllen ist nicht einfach. Und das waren damals wirklich schwierige Zeiten. Wir hatten gerade mal neun Monate in der Regierungszeit hinter uns, wir mussten lernen und gleichzeitig handeln. Ich war stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Stefan übertrug mir die Verantwortung, in der Landesregierung die Absprachen und Verhandlungen für den Bereich Bildung zu führen. Er gab ab, ich nahm an. Erst später habe ich gemerkt, wie schwierig es ist, sich so ganz und gar auf jemanden anderen zu verlassen. Aber auch, wie gut und wichtig es ist. Ich konnte „Chefin sein“ üben. Das hat mir später unglaublich geholfen.

Ich hatte von Stefan das Mandat übertragen bekommen und damit mussten alle leben, auch der damalige Bildungssenator. Wenn etwas schief gelaufen wäre, hätte sich Stefan vor mich gestellt. Wir hätten gemeinsam für Fehler gerade gestanden.

Loslassen können, das ist nicht einfach. Stefan konnte und kann das. Er denkt strategisch und ist in der Lage, auf die Fähigkeiten anderer, denen er vertraut, zu bauen. Ich glaube, das hat auch etwas damit zu tun, dass Stefan in der Lage ist, sich in die Positionen anderer zu versetzen. Dafür braucht man die Großzügigkeit, andere Positionen nicht von vornherein bekämpfen, sondern einbinden zu wollen. So etwas trägt in der politischen Arbeit - diese Akzeptanz anderer Meinungen. Und strategisches Denken. Das trägt ebenso. Wenn einer wie Stefan sagt, er macht nun im Bundestag Außenpolitik, denn um die strategischen Voraussetzungen für einen Politikwechsel zu schaffen, braucht man außenpolitische Kompetenz - das ist für mich Denken in die Zukunft. Wenn dies mit Offenheit einhergeht, ist es gut. Ich jedenfalls habe es schätzen gelernt.

Carola Bluhm
Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales

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