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Hartmut Seefeld

Klub der lauten Töne

Stefan Liebich argumentierte prononciert gegen Abschreckungspolitik von Joschka Fischer an

Stefan, Liebich, Norbert Röttgen, Achim Post, Joschka Fischer (v.l.n.r.)

Joschka Fischer kann es noch – kokett sein. Er sei erst 67, wirft er dem der Generation 70plus angehörenden Ex-Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse in der Berliner Friedrich-Ebert-Stiftung am vergangenen Dienstag forsch hinterher, nur um wissen zu lassen, dass er sich bestens damit auskenne, wo der politische Puls der Jugend schlägt.

Es ging also, das kann man schon sagen, unterhaltsam zu beim Wilhelm-Brandt-Gespräch 2015, bei dem Antworten auf die Frage gesucht wurden: „Mehr internationale Verantwortung? - Deutschlands und Europas Beiträge zum Frieden und für die Menschenrechte in der Welt.“

Nach der Begrüßung durch Thierse und einer Einführung des grünen Bundesaußenministers a.D. diskutierten dann auf dem Podium neben Fischer und Stefan Liebich auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses Norbert Röttgen (CDU) und der SPD-Abgeordnete Achim Post vor über 400 Gästen im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal.

Die Welt gerät aus den Fugen.

Während Stefan Liebich in bewusstem Bezug auf Brandt einen „Wandel durch Annäherung“ propagierte, dafür Beifall auf offener Bühne bekam und dies mit einer Forderung nach Visafreiheit im Reiseverkehr mit Russland untersetzte, plädierte Fischer für eine Politik der Abschreckung und damit der Aufrüstung, wobei offen blieb, ob er Panzerfahren tatsächlich zu den bevorzugten Intentionen junger Männer und Frauen mit Blick auf ihre Zukunft zählt.

Politikverdrossenheit sieht anders aus.

Auf der anderen Seite gab es auch einen Schulterschluss zwischen Fischer und Liebich, als Röttgen über die dringende Notwendigkeit einer Europaarmee parlierte. „Eine Nebelwolke, ein Verschleierungsversuch sei diese Debatte, um von den eigentlichen Unzulänglichkeiten der Bundeswehr abzulenken“, kommentierten die beiden den CDU-Mann unisono. Ein Standpunkt, dem sich auch SPD-Mann Post anschloss, der trocken anmerkte, dass man den Stellenwert einer europäischen Verteidigungspolitik auch daran bemessen kann, dass es im Europaparlament nicht mal einen eigenen Verteidigungsausschuss gebe.

Das Berliner Inforadio wird die gesamte Debatte in seiner Sendung „Das Forum“ am Sonntag, den 29. März um 11.05 Uhr ausstrahlen und diese Ausstrahlung um 20.05 Uhr wiederholen.