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Hartmut Seefeld

Angst vor Zerstörung

Teamliebich unterwegs in der Kavalierstraße

Die Ausführungen von Prof. Dr. Simon stießen auf großes Interesse.

Professor Dr. Harald Simon von der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur in Leipzig war voll des Lobes. In höchsten Tönen pries der Wirtschaftswissenschaftler die Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU. „Die Berechnungen zu den Effekten der energetischen Sanierung erscheinen mir äußerst seriös, so etwas findet man selten“, sagte er am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz in der Kavalierstraße 19. Sein anschließendes Urteil ist allerdings vernichtend: „Die energetische Sanierung der Kavalierstraße ist völlig unwirtschaftlich. Der geplanten Kosteneinsparung von 56 Cent je m² und Monat stehen umlagefähige Kosten von 2,20 Euro gegenüber.“ Und die muss schließlich irgendjemand bezahlen. Seine Schlussfolgerung: So werden jegliche Bemühungen um bezahlbare Mieten in Berlin konterkariert.

Kavalierstraße 19/19 A in Pankow

Die Kostenfrage ist jedoch nur ein Aspekt der die elf Mietparteien in ihrem Aufbegehren gegen ihren Vermieter zusammenführt. Sie treibt vor allem die zielgerichtete Zerstörung ihres über hundertjährigen Hauses durch die GESOBAU im Rahmen der Sanierung um. „Während die tatsächliche Energieeinsparung minimal ist, sind es die unmittelbaren Folgen aber nicht: Glattgebügelte, plastifizierte Altbauten, Verluste an Schönheit, Bildung, kultureller Identität, handwerklicher Kunstfertigkeit, von Dingen also, die unsere Kommunen prägen“, fasste Sebastian Rost vom Verband Restaurator im Handwerk e.V. das Dilemma zusammen.

Wärmedämmung ist das Aus für jeglichen Zierrat.

Die GESOBAU, die der Einladung zur Pressekonferenz nicht Folge leisten wollte, kann auf zwei Argumente für ihr Vorgehen verweisen. Zum einen verlangt die von der Bundesregierung erlassene Energieeinsparverordnung, dass bei größeren Sanierungen zwingend Energiesparmaßnahmen umgesetzt werden – koste es was es wolle. Und zweitens kann der Eigentümer eines Hauses, welches nicht unter Denkmalschutz steht diesbezüglich „machen was er will“.

Vor diesem Hintergrund hat der renommierte Verein „Denk mal an Berlin“ e.V. die Kavalierstraße 19/19A zum Besonderen Denkmal erklärt. Geschäftsführerin Dr. Agnete von Specht hatte aus diesem Anlass auch zu besagter Presskonferenz geladen, an der auch Katrin Lompscher als Baupolitische Sprecherin der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus teilnahm. Sie regte an, auch über die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks ein entsprechendes Verfahren einzuleiten.

Die Mieterinnen und Mieter jedenfalls wollen auf keinen Fall widerstandslos die städtebauliche Marginalisierung ihres Hauses hinnehmen. Sie haben mittlerweile einen Verein gegründet und sind auch Mitglied des besonders regen Zusammenschlusses Pankower Mieterprotest.