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Stefan Liebich

Auf nach Afrika

Mit dem Außenminister in der DR Kongo, Ruanda und Kenia

Kürzlich fragte mich ein Journalist, ob ich es kritisieren würde, dass Außenminister Steinmeier, statt sich ausschließlich um die Krise in der Ukraine und den Kampf gegen den Terrorismus zu kümmern, auch noch Lateinamerika oder Südafrika zuwendet. Ich habe das zurückgewiesen. Ich fand es richtig, dass der Außenminister vergangene Woche den afrikanischen Kontinent zum Ziel hatte und habe ihn auf dieser Reise begleitet. Erste Station war die Demokratische Republik Kongo, früher bekannt als Kongo-Kinshasa oder auch Zaire. Der Osten des riesigen Landes im Herzen Afrikas wird noch immer von einem blutigen Bürgerkrieg geprägt, die UNO leistet hier ihren weltweit größten Blauhelmeinsatz. Er ist lebenswichtiger Schutz für die drangsalierte Zivilbevölkerung.

Erinnerungsstele an den ermordeten Patrice Lumumba.

Für mich war sehr interessant zu erfahren, dass in dem Land die Erinnerung an den 1961 ermordeten ersten Premierminister nach der Unabhängigkeit von der belgischen Kolonialherrschaft, Patrice Lumumba, noch immer sehr präsent ist.

Die emotional ergreifendste Station dieser Reise war Ruanda. Hier tobte vor zwanzig Jahren ein entsetzlicher Völkermord. Im Hotel Ruanda ("Mille Collines") haben wir mit dem Vorsitzenden der Versöhnungskommission über dieses schwierige Thema gesprochen. Wenn man in der Gedenkstätte für den Völkermord steht, wird einem ganz besonders bewusst, wie brutal jedwede moralische Grenze damals überschritten wurde. Es wurde versucht, ein ganzes Volk wegen seiner ethnischen Zugehörigkeit auszurotten. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass bei einem Völkermord die Vereinten Nationen in einer ganz besonderen Verantwortung stehen.

UNO-Blauhelme im Osten Kongos.

Am letzten Ziel der Reise, der kenianischen Hauptstadt Nairobi, ist der Terminkalender geprägt von Gesprächen mit Regierung, Opposition, NGOs. Mich interessierte insbesondere die Außenpolitik mit Blick auf das nördliche Nachbarland Somalia. Aber auch die Hintergründe für die innenpolitischen Spannungen und Verwerfungen, die erst kürzlich zu handfesten Prügeleien in Parlament führten, wollte ich gern besser verstehen.