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Gabi Kuttner

Drei in einem Bett

Einem Hilferuf folgend besuchte Stefan Liebich Ende Januar den Miteinander-Füreinander e.V. in seinen Räumen in der Dunckerstraße in Prenzlauer Berg. Der bereits 1990 gegründete Verein befindet sich nach Auskunft von Geschäftsführerin Karin Ehrlich in schwierigem wirtschaftlichen Fahrwasser, zuletzt hat deshalb auch das Bezirksamt Pankow 2012 seine finanzielle Förderung einstellen müssen. Akut bedroht sind dadurch die Seniorenbegegnungsstätte „Herbstlaube“ und die Dauerausstellung „Zimmermeister Brunzel baut ein Mietshaus - Bauen und Wohnen im Prenzlauer Berg um 1900“.
Trotz der Probleme erleben wir bei unserem Besuch Normalität. Mehr als 20 Seniorinnen und Senioren sind gerade beim „Kniffeln“ als wir ihre „Herbstlaube“ betreten. Sie zählen zu jenen knapp fünf Prozent Anwohner am Helmholtzplatz, die bislang als Generation 60 plus der Gentrifizierung in ihrem Kiez entgangen sind. Es ist beeindruckend, wie der Verein mit seinen ehrenamtlichen Kräften den Betrieb täglich aufs Neue realisiert. Ein einzigartiges Revival bietet zudem die 2003 eröffnete Gründerzeitausstellung im Nachbarhaus. Wie uns der Leiter des Pankower Museumsverbunds Bernt Roder erklärte, entstand sie nach der Schließung der Ausstellung „Berliner Arbeiterleben“ in der Husemannstraße. Die typische Gründerzeitwohnung gilt als Pendant zur Ausstellung Bürgerliches Leben und Wohnen in der Pankower Hadlichstraße. Während Bernt Roder Stefan mit Informationen versorgt, schwelge ich in einem Dejà-vu der besonderen Art, fühle ich mich doch plötzlich in die Wohnung meiner Großeltern in der Dänenstraße versetzt. Einzig der Duft gebratener Kartoffelpuffer und der heiße Muckefuck auf der Kochmaschine fehlen.

Die ehrenamtlichen Führungen durch die Senioren machen dieses museale Kleinod zu einer sehr lebendigen Geschichtsstunde. Wer sonst kann so kompetent jungen Besuchern auf verwunderte Fragen wie dieser eine Antwort geben: „Drei in einem Bett?“